Montag, 27. April 2015

Bonjour

... und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit Schwer­punkt Wirt­schaft, Po­li­tik und Film kön­nen Sie mich bu­chen. Auf den nächsten Sei­ten be­schrei­be ich (meistens ver­all­ge­mei­nert) ty­pi­sche Mo­men­te aus dem Be­rufs­all­tag.

Caroline Elias, +49(0)172 499 8902
Derzeit am besten mobil erreichbar!
Ich biete an:
— bilaterales DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Medien, Wirtschaft und Handel, Luxusgüter, Bildung und Soziales, EU-Se­mi­na­re, Kino-, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, deutsch-französische Be­zie­hun­gen und Lan­des­kun­de, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur und Ur­ba­nis­mus, Li­te­ra­tur, Ge­schich­te Berlins und der DDR, Afrika (Wirt­schaft und Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche, z.B. Dreh­buch, Filmförderantrag, Katalog, Korrespondenz
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
— für Politiker (*), Wissenschaftler, Fir­men- und Pri­vat­kun­den, Filmmitarbeiter usw.
ZUSAMMENSTELLUNG von Kollegenteams

Ich berate persönlich per Telefon oder Mail, denn jede Anfrage ist anders, jedes Thema besonders, kurz: Ihre Gäste und Kunden haben den besten Service verdient und kein Angebot von der Stange, das in Asien genäht oder vom Sprach­makler anonym an den/die Günstige(n) weitergereicht wird.

Außerdem bin ich versiert in den Bereichen:

— Synchronbücher für Dokumentarfilm, Untertitel, Übertitel (Theater)
— Audio­des­krip­tion für Sehbehinderte bzw. Untertitel für Hör­­geschädigt­e, Er­stel­lung und Lek­to­rat, in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin
 — Texten, Rewriting und Recherche (Themen auf Anfrage). Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an vier Büchern beteiligt.


Hier, zu welchen Inhalten ich 2014 aktiv war plus einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Réseau d'interprètes indépendants, pas d'agence ! Paris, Berlin, Französisch, Deutsch, simultan, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris, interprète de conférence et d'accompagnement, chuchotage, Drehbuchübersetzung, traduction de scénario.
(*) und selbstverständlich jeweils auch die -innen!
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Foto: Friederike Elias

Freitag, 24. April 2015

(Nicht)²

Hello, bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin mit einem Frankreich-Schwerpunkt. Ich arbeite in Paris, Berlin und dort, wo meine Kunden mich brauchen. Die Perspektiven für unseren Berufsstand verbessern sich derzeit radikal.

DESTATIS-Logo
Zahlen helfen!
Frankreich war auch letztes Jahr der wichtigste Han­dels­part­ner Deutschlands! Ins­ge­samt wurden Waren und Dienst­leis­tun­gen im Wert von knapp 170 Mil­li­ar­den Eu­ro um­ge­schla­gen.

Trotzdem sollen in Frankreich die zweisprachigen Klassen an den Mittelschulen ab­ge­schafft werden, in denen die Schüler bislang die deutsche Sprache wirklich ler­nen können. Finde den Fehler! (La France est en 2014 le premier partenaire éco­no­mique de l'Allemagne, avec près de 170 milliards d'euros de biens échangés. Malgré tout on veut supprimer les classes bilingues qui permettent aux élèves de maîtriser vraiment l'allemand... cherchez l'erreur.)

Die Summe der deutschen Exporte nach Frankreich beläuft sich, einer aktuellen Pressemeldung zufolge, auf 161,3 Milliarden Euro, damit liegt der linksrheinische Nachbar als Empfängerland noch vor den Niederlanden und der Volksrepublik China. (Frankreich steht, was die Herkunftsländer der deutschen Importe angeht, auf Platz drei.)

Downloadlink zur Pressemeldung: klick!

Nochmal kurz zum Hintergrund: Die französische Bildungsministerin plant die Ab­schaf­fung der zweisprachigen Klas­sen ab der Mittelschule, in denen bislang die deut­sche Sprache neben Englisch intensiv gelernt wird. Hin­ter­grund ist, dass diese Deutschklassen traditionell von den besten Schülern ge­wählt werden (oder von den Eltern, die Wert auf Bildung legen), weshalb die Mi­nis­te­rin das Deutschlernen grund­sätzlich als elitär bezeichnet hat (ebenso die Beschäftigung mit den Sprachen Latein und Griechisch). Nicht nur die fran­zö­si­schen Deutschlehrer sind entsetzt, auch die deutsche Botschafterin in Paris engagiert sich neben vielen anderen für den Erhalt des grundständigen Lernangebots. (Mehr beim Spiegel.)

Einfach super, diese "Kurzfristgedenke", denn für unsere Branche zeichnen sich wun­der­ba­re Umsatzzuwächse ab! Und privat sprechen die Franzosen ja ohnehin alle her­vor­ragend Fremdsprachen, weil es ihnen mit ihrem an der eigenen Sprache ge­schul­ten Gehör kinderleicht fällt. (Nicht)².

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Illustration: Statistisches Bundesamt

Montag, 20. April 2015

Meinungen

Hallo auf den Blog­sei­ten einer Dol­met­scher­in. Hier schreibe ich aus Paris, Berlin und von unterwegs über alles, was mit meinen Sprachen und ihrer Übertragung zu tun hat. Heute folgt ein humoristischer Gruß.

Meine Meinung steht fest! Bitte, verwirren sie mich nicht mit Tatsachen.
Gesehen in Berlin
Streiten sich zwei Männer. Sagt der eine: "Sie Parvenü!"

Darauf der andere: "Pfff! Ein Parvenü ist ein spanischer Wandschirm. Der Affe, den Sie meinen, heißt Parmesan."
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Foto: Fundsache

Sonntag, 19. April 2015

Wörterdomino

Guten Tag oder guten Abend! Hier bloggt eine Berliner Spracharbeiterin. Zeit für die Sonn­tags­bil­der, die­ses Mal aus der Ka­te­go­rie "Lern­tipps".

Die Wiederbelebung eines alten Spiels, "Domino", zum Sprachenlernen.

Die "Spielsteine" dafür sind selbstgemacht.

Dabei werden Wörter beider Sprachen und Zeichnungen im Wechsel gelegt, wobei jedes Team seine eigenen Begriffe eigenständig illustriert, die Teams am Ende ihre Kärtchen tauschen und mit kleinen Sket­chen die Begriffe jeweils einführen.

Die Teamerin und Dol­met­scher­in in der Jugend- und Bildungsarbeit wird hier als Beraterin tätig.
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Fotos: C.E.

Donnerstag, 16. April 2015

Babel

Bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Dolmetscherin aus Berlin, Paris, Schwerin und von dort, wo Sie mich brauchen! 

Irgendwann ist den Menschen in grauer Vorzeit mal was durcheinandergeraten. Der oberste Schöpfer habe reagiert, so steht es in alten Büchern geschrieben, und die Sprachen durch­ein­an­der­ge­bracht. Die Erdenbürger denken heute noch beim Wort "Babel" da­ran, es ist Synonym dafür, dass sie einander oft nicht verstehen. Doch die Sprachgrenzen lassen sich überwinden.

Lernt doch einfach Deutsch ...
Es gibt Men­schen, die meh­re­re Sprachen beherrschen. Und es erscheint denkbar, dass di­ese, sollten die Ka­pa­zi­tä­ten des menschlichen Kopfes der­lei zulassen, die Idiome münd­­lich übertragen.

Dolmetscher könnte man diese Menschen vielleicht nennen. Gestern war in Dort­mund eine Pressekonferenz. Es ging um einen gewissen Herrn Klopp, ein eng­li­scher Reporter namens Ben Bloom sandte seine Berichterstattung dazu ins Universum, und die ging zum Beispiel so: "I'd love to tell you what Klopp is saying." Der Herr Klopp heißt Jürgen mit Vornamen, er verlässt einen Verein namens BVB, dort lau­fen immer viele Menschen einem rund­ge­nähten und mit Luft gefüllten Leder hin­ter­her. Der Herr Klopp war dort ein Wich­ti­ger, trotzdem hat sich vorher nie­mand erkundigt, ob solche Sprachwesen wie oben erwähnt vielleicht mög­li­cher­wei­se bereits erfunden worden sind.

Nicht nur der englischsprachige Berichterstatter fragte sich ob seiner Ver­ständ­nis­pro­ble­me, warum er in der Schu­le so wenig aufgepasst hatte, das ging viel­leicht Journalisten aus Frank­reich auch so.

Den Kindern hat Ben Bloom jetzt geraten, Deutsch zu lernen. Ich hoffe, er wird auch in Frankreich Gehör finden. Aber Moment mal, spricht man in dem Land nicht eine andere Sprache? Die Menschen dort werden das nicht verstehen! Schade!

Weitere Zitate aus dem Bericht: "fantastisch" und "Es tut mir leid." Hier lieferte ihm Doc Gargoyle akkurate Hilfe: "Google translate tells me that is "I am sorry" in German."

Uns Dolmetschern erst. Thank you for the great advertisement!
 
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Illu: Ben Bloom bei twitter

Dienstag, 14. April 2015

Und ab ins Archiv

Hallo und herzlich willkommen. Sie lesen in meinem digitalen Arbeitstagebuch. Ich dolmetsche aus dem Französischen (und ins Französische) sowie aus dem Englischen. Nach einiger Zeit in Paris stecke ich in Berlin in den Ablagen.

Dieser Tage heißt es Warten auf Antworten auf Kostenvoranschläge und Auf­wands­ein­schät­zun­gen, während an der Schweizer Grenze die Eulchen ohne mich auf die Welt kommen, hier geht's zur Vorgeschichte, sie sind zwei bis vier Wochen zu spät dran. Daneben pauke ich immer 90 Minuten, dann wende ich mich 90 Minuten lang dem Archiv zu, das ich ein wenig lichten muss. Ich schaue dabei nicht auf die Uhr; diese Phasen, die jeweils genauso lange dauern wie eine Schlafphase, scheinen dem Biorhythmus zu entsprechen.

Wichtig sind mir dabei auch regelmäßige Pausen. Und den Schlaf fördert, dass ich mittags immer an der frischen Luft bin und Licht tanke. Das ist wichtig für uns Menschen, die mitunter Jobaufträge bekommen, die ebenso umfangreich wie eilig sind und die im Grunde nur zu erledigen sind, wenn wir diese natürlichen Impulse überhören ... und die an Konferenztagen ohnehin oft kein oder kaum Tageslicht zu sehen be­kom­men.

Der Blog ist in der Zwischenzeit für einige Tage geschlossen, das Büro aber nicht.

Stachbubendreher, gesehen am Maybachufer
Gelesen habe ich in deut­schen Medien eine Kritik an den deutschen Ex­port­über­schüs­sen, wie ich sie seit Jahren in französisch- und englischsprachigen Medien wahrnehme.

Weiterlesen und -hören werde ich zum Thema Streik des fran­zö­si­schen Rundfunks, hier ein erster deutscher Pres­se­nie­der­schlag.

Der Hörfunk ist für mich sehr wichtig, ich lebe gewissermaßen von und mit den Podcasts des Programms (von denen etliche weiterlaufen, auch wenn die Antenne bestreikt wird).

Noch ein Lesethema: Die Bedrohung des Deutschunterrichts in Frankreich. Derzeit bin ich sehr irritiert darüber, was da in Frankreich vor sich geht. Denn im Nach­bar­land hatte man vor einigen Jahren die Erkenntnisse der Sprachpädagogik in Lehr­plä­ne einfließen lassen, die Kindern ab etwa dem 10. Lebensjahr (nach dem ersten spielerischen Bekanntwerden mit einer ersten Fremdsprache) zwei Spra­chen pa­ral­lel anbieten, die jeweils mit gleicher Stundenzahl unterrichtet werden. Das (wie­der) trainierte Sprachenlernen an sich fördert jede einzelne der Sprachen so, dass die Kinder nach wenigen Jahren jede der beiden Sprachen besser beherrschen als Schüler, die nur eine sogenannte "1. Fremdsprache" mit jeweils einer Wo­chen­stun­de mehr im Unterricht hatten.

Die Deutschlehrer fürchten nun, dass die deutsche Sprache aus dem französischen Schulangebot verschwinden könnte, denn viele Eltern entscheiden sich später im Pubertätsalter ihrer Kinder, wenn die klassische "2. Sprache" ansteht, für das ver­meint­lich einfachere Spanisch.

So, ab ins Archiv. In der Zwischenzeit erreichen Sie mich am besten per Mo­bil­te­le­fon.

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Foto: C.E.

Montag, 13. April 2015

Äpfel und Birnen

Bon­jour, wel­come, gu­ten Tag! Hier kön­nen Sie den Ar­beits­all­tag ei­ner Dol­met­scher­in und Über­set­zer­in mit­ver­fol­gen. Seit einem knappen Jahrzehnt schreibe ich hier meine Beobachtungen auf, respektiere dabei natürlich mir anvertraute Dienstgeheimnisse. Als Sprachmittlerin werde ich in Paris tätig, in Berlin, Köln oder am Genfer See. Heute: Blick auf den Schreibtisch.

Apfelkuchen nach Art der Schwestern Tatin
Es gibt Einsätze, die kann nie­mand erfinden. Das Kor­rek­to­rat einer Koch­buch­über­set­zung zum Beispiel, in dessen Wo­chen Fe­ier­ta­ge fallen — eine Zeit, in der Gäste im Haus sind. Was liegt näher, als sich ei­ni­gen Rezepten aus dem Re­zept­buch direkt zu­zu­wen­den? Dabei stellt sich unerwarteter Weise heraus, dass einige Men­gen­an­gaben wohl falsch sind.

Gut, ich verändere eigentlich schon immer beim Backen nach Rezept die Men­gen­ver­hält­nisse, weil ich es nicht so süß mag. Hier war etwas offensichtlich falsch ... al­ler­dings erst dann, als ich in der Küche stand. Andere Kochbücher und das Welt­wei­te ha­ben mir geholfen, dem Fehler auf die Spur zu gelangen. Und so wurden die Schrum­pel­äpfel aus dem Keller zu einer höchst an­nehm­ba­ren Tarte Tatin. (Nein, zu zwei Ex­em­pla­ren, wie Sie erahnen können.) Anschließend habe ich alle Zu­ta­ten­listen des Kochbuchs noch einmal gegengelesen, weitere Unstimmigkeiten ge­fun­den und sie mit dem Autor des Buches ab­ge­klärt. Mein Favorit der Re­zept­samm­lung war üb­ri­gens selbstgemachtes Birneneis, das habe ich aber nur lesend durch­dacht. Wenn wieder Herbst ist ...

Sonst steht Nacharbeiten auf dem Programm: Verteidigungspolitik, sicher nicht mein Wunschthema, aber als po­li­tisch denkender Kopf kann ich mich in alles hin­ein­schrauben. Dann Fachvokabular für eine Badezimmersanierung. Es ist mein ei­gen­es Bad, aber wo ich schon mal dabei bin, kann ich die passenden Begriffe für den nächsten Einsatz mit Ar­chi­tek­tin oder Innenarchitekt schon mal üben.

Weiter: Aktuelle Themen, Europapolitik, Wirtschafts- und Geldpolitik. Ein gewisser Herr Müller, Kolumnist beim Spiegel, wundert sich in seinem stets praktischen Wo­chen­über­blick darüber, dass die Unternehmen (insbesondere in Zeiten billigen Gel­des) so wenig investieren. Vielleicht wissen sie um Absatzprobleme, da sich sehr viel Geld immer stärker in den Händen weniger konzentriert, vielleicht ahnen sie auch, dass die Wirtschaft vom Diktat des Immer-Mehr in Richtung solider, nach­hal­ti­ger und 100 % recyclingfähiger Produkte umgebaut werden muss, was als Erst­in­ves­ti­tion natürlich teurer ist, vielleicht ist es aber auch einfach nur so, dass sich mit dem Produktionsmittel Geld weiterhin größere Gewinne an der Börse "er­wirt­schaf­ten" lassen? Leider hört Müller dort auf, wo es mit den Fragen richtig los­ge­hen müsste.

Als Dolmetscherin lese ich solche Texte auch immer in Vorwegnahme auf zu Ver­dol­met­schen­des. Ich bilde mich weiter zum Thema in meinen Sprachen und ergänze dabei meine Fachwörterlexik.

Für den Rest der Woche liegt hier noch etwas zur Entstehungsgeschichte Europas. Nächstes Jahr feiert die Mon­tan­union, auch Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl genannt, ihren 65. Ge­burts­tag. Last but not least darf ich mich dem Thema "Integration und Chancengleichheit" wieder einmal widmen, erneut mit einer deutsch-französischen Blickrichtung.

Zwischendurch habe ich einen Kostenvoranschlag für eine Drehbuchübersetzung und die englische Fassung eines Filmförderantragsdossiers geschrieben. "Post­wen­dend" zeigte sich der potentielle Kunde aber darüber überrascht, dass wir zwei un­ter­schied­li­che Preise vorschlagen.

Farbstudien. Mehr zum Thema Obst hier: klick!
Nun, hier ist der sehr gut und eingängig ge­schrie­be­ne durch­ge­hen­de Drehbuchtext (mit unterdurchschnittlichem Recherchebedarf) schneller zu übertragen als eine Excel-Tabelle mit lauter neuartigen Ko­fi­nan­zie­rungs­part­nern und unterschiedlichen Re­coup­ment-Me­tho­den sowie ei­nem ver­trags­ar­ti­gen Anhang. Wir werden doch nicht Äpfel mit Birnen ver­glei­chen!

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Fotos: C.E.

Sonntag, 12. April 2015

Die DNA der Stadt

Berlin IST nicht, Berlin WIRD, las ich einmal
in einem Buch aus den 1920ern, viele Jahre,
bevor ich selbst hergekommen bin.

Berlin wird auch heute noch. Wird es schön?
Wird es klotzig? Hässlich? Wird es je fertig?

Berlin ist im Werden, sagt Marwan, er zog aus
Münster her. Berlin ist meine Heimat, sagt
Sonja aus Sachsen, ihr A klingt fast wie ein O.

Berlin wird chic, sagt Léa aus Frankreich. Das
wird teuer, sagt der Immobilienhai, und reibt
sich die Hände; höhnisches Gelächter.

Gestorben wird immer, sagt der Bestatter zum
Sohne (auf dass er sein Nachfolger werde).
Geboren wird immer, sagt die Hebamme zur
Tochter (die daraufhin Medizin studiert).

Zwischen Einschusslöchern auf der vorletzten
nackten Brandmauer Berlins und Lichtgenomen
auf neuer Wand überrascht: ein Stammbaum.


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Foto und Text: C.E.