Freitag, 19. September 2014

Bonjour

... und will­kom­men! Hier finden Sie (ohne Nen­nung von Be­­triebs­­ge­­heim­­nis­sen) klei­­ne Ein­­­blicke in mei­nen All­­tag — und kön­nen mehr über Sprachberufe erfahren.
­
Ich biete an:
C. Elias, +49 (0) 172 499 8902
— bilaterales DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Soziales, Wirtschaft, Luxusgüter, Medien, Kino, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, Aus- und Fortbildung, deutsch-französische Be­zie­hun­gen und Landeskunde, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur und Ur­ba­nis­mus, Literatur, Ge­schich­te Berlins und der DDR, Afrika (Wirt­schaft und Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche, z.B. Dreh­buch, Förderantrag, Katalog, Korrespondenz
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
— für Politiker (*), Wissenschaftler, Fir­men- und Pri­vat­kun­den, Filmmitarbeiter usw.

und andere zielgerichtete Kommunikation mit interkulturellem Bezug:

— Untertitel, Übertitel (Theater), Schreiben von Sprecherkabinentexten
— Erstellen und Lektorat von Audio­des­krip­tion­en sowie von Untertiteln für Hör­­geschädigte (in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin)
 — Texten, Rewriting und Recherche auf Anfrage. Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an drei Büchern beteiligt.


Hier, zu welchen Inhalten ich 2013 aktiv war plus einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Interprète indépenante, pas d'agence  ! Berlin, Französisch, Deutsch, Simultandolmetschen, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, Beratung, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris. 
(*) und selbstverständlich jeweils auch die -innen!
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Foto: Friederike Elias

POV I

Hallo und gu­ten Tag! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­setzerin. Auch im achten Jahr des Bestehens meines Blogs fallen mir noch Innovationen ein. Heute beginnt eine neue Reihe: POV, Point of view. Das ist der nur knapp kommentierte subjektive Blick aus der Spracharbeit.

Wir sitzen am Rand des Tagungssaals, wir sehen die Leinwand mit ihren PowerPoint­Prä­sen­ta­tionen (PPT) gut, was den Abstand betrifft, nur manchmal steht der Redner in der Sicht­achse. Auch daher ist es wichtig, die Prä­sen­ta­tionen im Vorfeld zu be­kom­men. Gestern war ein Tag ohne Tisch­vor­la­gen, Präsentationen und Material. Naja, fast. Das Programm und eine einzige PPT bekamen wir vorab. Wir saßen nicht im Cockpit, in der Kabine, und bewältigten trotzdem einen Blindflug. Dafür war dieses Mal — aber auch nur im abgebildeten Fall — der Über­tra­gungs­auf­wand nicht groß.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 18. September 2014

Brille

Bon­­jour! Sie sind ab­­sicht­­lich oder zu­­fäl­­lig auf den Sei­­ten einer Dol­met­scherin und Über­setzerin für die fran­zö­si­sche Sprache gelandet. Ich berichte hier über den All­­tag der Französischdolmetscher und anderer Spracharbeiter — aus meiner streng sub­jek­ti­ven Perspektive.

Unbezahlte Freiberuflerarbeit: Das Abheften der Verträge, Vokabellisten und di­ver­ser Arbeitsmaterialien. Besonders fällt in Deutschland das Sortieren und Er­fas­sen der Belege ins Gewicht.

Ladenschild, gesehen in Kreuzberg
Alle Jahre wieder brauchen Bril­len­schlan­gen wie ich neue Sehhilfen. Was die Kasse von den Kosten übernimmt, ist lächerlich. Dass meine Gläser irgendwas zwischen neun und zehn Dioptrien minus aufweisen, ist meine Pri­vat­sache. Mit den "Ge­sund­heits­re­for­men" ging im Rückblick die Schwächung der So­li­dar­ge­mein­schaft los. Für Brille und Er­satz­brille zahle ich jedes Mal den Gegenwert einer Monatsmiete für eine geräumige Ber­liner Wohnung mit Ne­ben­kosten, Strom, Gas, Versicherungen, Re­pa­ra­tur­rück­lage und Telefon/Internet sowie Sachmittelverbrauch im Büro.
Eine Erklärung, warum es gerecht sein sollte, dass meine Fehlsichtigkeit Pri­vat­sache sein sollte, will mir partout nicht einfallen.

Ich habe mir diese Myopie, garniert mit einem leichten Astigmatismus, weder aus­ge­sucht noch habe ich sie verursacht. (A propos Verursacherprinzip: Fürs Rau­cher­bein kommt die Gemeinschaft der Versicherten auf.) Was mich fortgesetzt irritiert: Wa­rum ist diese Abschaffung offenbar auf keinen Wi­der­stand ge­sto­ßen? Wenn ich mich um­se­he, gibt es heute bald ebenso viele Bril­len­trä­ger wie Menschen ohne. War denn "da­mals" die Gesellschaft noch nicht so alt? Waren Brillenträger noch eine Min­der­heit? Haftete dem Nasenmöbel einst noch der Ruch des Accessoires best­aus­ge­bil­de­ter Besserverdiener an?

Und was war überhaupt die Alternative? Dieses Augen-sind-Privatsache-Ding möch­te ich probehalber mal kurz mit einer (eben­so will­kürlichen) "Pri­va­ti­sie­rung" eines an­de­ren Körperteils vergleichen: Wie wäre es, wenn die Kasse statt der Fehl­sich­tig­keit ... hm, sagen wir mal das linke Bein pri­va­ti­siert hätte? Das rechte ist Teil der So­li­dar­ge­mein­schaft, na klar, aber das linke, sorry, das ist Privatsache, Luxus, also dafür müssen die Men­schen schon allein aufkommen.

Wenigstens kann ich diese Luxusausgaben fürs Gesicht von der Steuer absetzen. Muss auch. Ohne sie wäre ich aufgeschmissen. Ich kann nur siebenkommafünf Zen­ti­me­ter ab Nasenspitze klar sehen. Fürs Küssen ist das ein enormer Vorteil! Daher weht also der Wind. Und fürs Handling der Hauptbrille, des Top-Modells mit hoch­bre­chen­dem Glase, gibt's eine einfachere (und doppelprivate) "Brillensuchbrille".

Privatsache sind auch meine ausschließlich beruflich genutzten Kostümchen und Anzüge samt deren Wege in die chemische Reinigung. Begründung: Ich könnte die Sachen ja auch privat tragen. Na klar. Als wäre ich nicht am Ende langer Tage ein­fach nur glücklich, aus meinen Weißkitteln, Blaumännern oder schwarzen Roben wieder rauszukommen. Im Gegensatz zu mir können die echten Träger dieser Be­rufs­ver­klei­dung Erwerb, Reinigung und Reparatur ihres jeweiligen Gewandes bei der jährlichen Abrechnung dem Finanzamt präsentieren.

P.S.: Wir gebeutelten "Spontanübersetzerinnen" (siehe Blogeintrag von gestern) freuen uns über die zweideutige Schlagzeile im Handelsblatt: "Frankreich fordert Streikende bei Air France".

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Foto: C.E. (gesehen in Kreuzberg)

Mittwoch, 17. September 2014

Sportlich ...

Hallo! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Spra­che (und aus dem Englischen). In unserem Beruf müssen wir oft im­pro­vi­sie­ren. Derzeit leider noch mehr als sonst.

Mit wem arbeiten wir morgen zusammen?
Richtig sportlich müssen wir dieser Tage sein, denn wir ersetzen einander gerade ein wenig kreuz und quer bzw. dürfen zu verschobenen Ter­mi­nen mit anderen Fort­be­we­gungs­mit­teln anreisen. Gerade scheint alles dieser geheimen Parole zu folgen: "Gestalten Sie Ihren Beruf als adventure trip, die Piloten von Air France machen's möglich!"

Hinzukommen kürzere Nächte und bulimisches Pauken auf der Reise.

Vor wem werden wir morgen dolmetschen, und wenn ja: wo? Und wer werden mor­gen die Kolleginnen sein? Ich fühle mich an die unfreiwillige Verballhornung er­in­nert, die von einem Publikumsgast stammt: "Spontandolmetscher" statt "Si­mul­tan­dol­metscher". In einem Beruf, in dem Vorbereitung mehr als die halbe Miete ist, wird uns immer viel abverlangt. So ein Pilotenstreik bedeutet für uns, mit Verlaub, Arbeiten unter verschärften Bedingungen. Das Schöne an der Sache ist: Wir lernen neue Kollegen kennen!

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 16. September 2014

Selbständigkeit

Guten Tag oder Abend, interessieren Sie sich für Dolmetschen und Übersetzen? Dann sind Sie hier auf meinen digitalen Tagebuchseiten goldrichtig.

Kongressvorbereitung bedeutet tagelanges Lesen, Lernen, Denken. Zwischendurch Stunden im See, auf der Joggingpiste oder dem Markt für beste Kochzutaten.

Abgeschubberte "E"-Tastatur, auf der noch das €-Zeichen übrig ist, als Teil des Wortes "WERT", den die Buchstaben bilden
abgenutzte Tastatur (nach fünf Millionen Anschlägen)
Das sind Zeiten, die indirekt durch die Honorartage mit bezahlt werden. Daher lie­gen unsere Honorare nicht bei 150 Euro, wie neulich ein La­bel­ma­na­ger erfahren musste, der sich meiner Dienste für diese Summe täglich ver­si­chern wollte, es ging um In­ter­views eines mu­si­ka­li­schen Nach­wuchs­stars aus Frank­reich mit den nam­haf­testen deutschen Me­dien­ver­tre­tern.

Schick war sein: "Aber es muss doch möglich sein, jemanden zu dem Preis zu fin­den!" Der Satz war an seine Assistentin gerichtet. Die Ärmste hat dann viele Dol­met­scherkol­le­gin­nen und -kollegen aufscheuchen müssen, um immer wieder die glei­che staunende Rat­los­ig­keit (oder vielleicht auch Gelächter) zu ernten.

Ich kann auch mit der größten Mühe nicht verstehen, wie jemand auf die Idee kommt, einen Dienstleister anzufragen und ihm zu sagen: "Das ist ihr Preis, gefolgt von einer Summe." Bei einem Anwalt würde er sich das nicht trauen. Und schon gar nicht, eine derartige Zahl aufzurufen.

Wer selbständig ist, hat viele andere Kosten, die regelmäßig anfallen, von den eigenen Bü­ro­räumlichkeiten und -mitteln bis hin zu Rücklagen für Urlaub, Un­vor­her­seh­bar­es, das Alter. Und für die Korrektur der eigene Elaborate, Über­setz­un­gen und Werbeaktionen.

Das mit der Korrektur gilt ja nicht nur für unsereinen. Aber nicht alle scheinen auf die Idee zu kommen, dass derlei nötig sein könnte. Unten, was eine von den of­fi­zi­ellsten Stel­len subventionierte Institution als Werbung verbreitet. Ich hoffe, es liegt nicht daran, dass sie ihren Korrektor nur für "kleines Geld" einkaufen wollten.

Dass bei "selbständig" das zweite "st" gestrichen wurde, fand ich als Schülerin ge­wöhn­ungs­be­dürftig. Logisch ist es nicht, zumal wir ja (bei der nächsten Reform) zum Beispiel bei "Schifffahrt" das dritte "f" hinzubekommen haben. "Selbstständig" mit doppeltem "st" ist inzwischen auch wieder möglich.

Selbsständig in Berlin? *cut*-deutschland.de
Nein, keine Bannerwerbung auf dem Dolmetscherblog, Netzfund von heute

Und die hier gleich folgende Stellenausschreibung tut richtig weh: Fünf Fehler in fünf Zeilen, denn auch das Datum wurde verhunzt, sowas habe ich lange nicht gesehen. Wer mit "vergleichbarer Ausbildung" sich darauf wohl beworben haben mag? Für dieses Sprachniveau fällt mir mitnichten ein geeigneter Ausbildungsgang ein.

Pikanterweise enthält "Muttersprachneveu" ein echtes französisches Wort: le neveu — der Neffe

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Illustration: Archiv und Netzfunde

Montag, 15. September 2014

Kanak im Kiez

Herzlich Willkommen! Sie lesen im Arbeitstagebuch einer Dolmetscherin. Meine Arbeitssprachen sind Französisch und Englisch (passiv).

Eine Straßenszene in Berlin-Neukölln: Eine junge Popdiva (die man kennen muss, die ich aber nicht erkenne), inspiziert den Kiez. In ihrem Fahrwasser diverse mit viel Stylingkunst auf lässig gezwirbelte Hipster, deren Aufgabe das Vermarkten, Be­ma­len und Inslichtsetzen ist. Gerade ist aber den Tonmensch dran, hält der jungen Lady ein Mikro mit püscheligem Windschutz unter die Nase und stellt ihr die Frage: "Kennst Du Berghain?"

Die den beschriebenen Pulk auf dem Gehweg kreuzende Berichterstatterin er­hasch­te nur die eine Frage, die allerdings hängen blieb.

Berghain, nein, pardon, natürlich DAS Berghain, ist ein berühmter Berliner Club, in dem vor allem Techno gespielt wird. Für alle, die vor 1960 geboren sind: Der Club bezeichnet das, was früher eine Disco war. Und Techno ist dieser Sound, der auf einfachen, wummernden Beats beruht.

Bücher stapeln sich in einem Fenster, oben drauf sitzt eine Buddha-Figur
Fensterszene in Neukölln
Weder die Interviewte, noch der Interviewer sahen aus, als wä­ren sie in Kreuzberg, im Mär­ki­schen Viertel oder in einer Fa­mi­lie mit Mi­gra­tions­hin­ter­grund aufgewachsen. Die Aus­las­sung des Artikels ist ein Phä­no­men, das sich aber in genau diesen Bezirken und Krei­sen be­ob­ach­ten (bzw. be­lau­schen) lässt. Und genau diese Aus­las­sung wird als Merkmal für "Ka­nak" betrachtet.

Kanak ist eine simplifizierte Version der deutschen Hochsprache, der schon im Som­mer die Berliner Zeitung zwei Artikel widmete, da eine junge Sprach­wis­sen­schaft­ler­in sich des Themas im Rahmen einer Forschungsarbeit angenommen hat­te. Bei Kanak werden Teile der türkischen Grammatik, die weder Artikel noch Prä­po­si­tio­nen kennt, auf die deutsche Umgangssprache übertragen.

Die Soziolinguistin Diana Marossek, die ihre Dokorarbeit an der Technischen Uni­ver­si­tät Berlin mit dem Titel "Gehst du Bahnhof oder bist du mit Auto? Wie aus einem sozialen Stil Ber­li­ner Umgangssprache wird", untersuchte (als Referendarin ge­tarnt) die Sprech­wei­se heutiger Jugendlicher an diversen Schulen. Sie stellte fest, dass diese Art semantischer Verkürzungen durch die ebenfalls zur Verkürzung nei­gen­de Syntax des Berliner Dialekts die Verbreitung von Kanak über die Kreise der Mi­gran­ten und ihrer Nachfahren hinaus begünstige.


Vokabelnotiz
WZBW (was zu beweisen war) — CQFD  (ce qu'il fallait démontrer)
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Foto: C.E.

Sonntag, 14. September 2014

Einkaufsladen

Hallo! Sie lesen im ersten Blog, der im Inneren der Dolmetscherkabine oder am Übersetzerschreibtisch entsteht. Sonntags werde ich privat: Fotos!

Die Banane im Supermarkt ruhte geschält auf eine Styroporschale und war in trans­pa­ren­te Folie gehüllt. Das gehört für mich zu den schrecklichen Bildern, die unsere vermeintlich so hochentwickelte Gesellschaft hervorgebracht hat.

Gestern stand ich beim Einkaufen in einer großen Meute, um uns herum Filmlicht, Kameras, Tonleute und Reporterinnen mit ihren Notizblöcken. Ich war im ersten Supermarkt Berlins einkaufen, in dem Waren "original unverpackt" über den La­den­tisch gehen. So heißt denn auch das Geschäft von Sara Wolf und Milena Glim­bov­ski. Ich brachte leere Gläser, eine Ölflasche, einen Eierkarton und Vor­ratsdo­sen im Ein­kaufs­netz mit. Einige Gefäße wurden erst gewogen, dann hatte ich die Wahl aus ca. 350 Produkten.

Eier, Rapsöl, guten Essig, Quinoa, Amaranth, Belugalinsen, Kefir und Ge­mü­se­brüh­pul­ver, das waren die Sachen, die mir in Ergänzung zum Einkauf auf dem Wo­chen­markt noch gefehlt hatten, wo mich ein Brandenburger Hof mit Biowaren versorgt.

Im hinteren Ladenraum, manches wirkt noch charmant improvisiert

Mir hat der schlichte Laden gut gefallen, der im vorderen Raum überhaupt nicht schlicht ist: Wunderbare Wandfliesen künden davon, dass hier vor Urzeiten mal ein Bäcker und ein Fleischer beheimatet gewesen sein muss. (Hier ein Bericht mit schönen Fotos aus dem leeren Laden.)

Der Kampf gegen die ewigen Umverpackungen aus Plastik, die auch in mei­ner Kü­che immer gleich zu Müll werden, geht also weiter. Gegen die Le­bens­mit­tel­mot­ten packe ich nämlich ohnehin zuhause alles in Sprungdeckelgläser um.

Links oben: Die Waren im Geschäft, links unten: Linsen, Quinoa und Co. in meiner Speisekammer
Laut Berliner Stadtreinigung, diese Zahl zitiert die "Berliner Zeitung", fallen in Berlin pro Jahr In 76.000 Tonnen Leichtverpackungen an. Plastikbeutel kommen noch hinzu. Leider endet viel zu viel vom häufig verwendeten Kunststoff im Meer (und produziert dort die gleichen Probleme wie das Mikroplastik aus Pee­ling­dusch­lo­tion, Fleecepulli oder plastikgedämmter Fassade).

Diese Art von losem Getreide-, Hülsenfrüchte- und Müsliverkauf habe ich 1996 in den USA kennengelernt, genauer: in kaliformischen health food stores. Und die Sache mit den mitzubringenden Verpackungen erinnert mich ans Milchholen in meiner Teenagerzeit auf dem Dorf. Nichts Neues unter der Sonne, und doch so revolutionär! Und als "Süßigkeit" für den Heimweg gibt's noch eine Banane, ori­gi­nalverpackt natürlich.

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Fotos: C.E.

Samstag, 13. September 2014

S-Kunde

Bienvenue, willkommen! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Am Wochenende werde ich privat: Ich zeige Links, über die mich in der Woche gefreut habe, und am Sonntag folgen die Sonntagsfotos.

Diese Woche gab's schon wieder einen Schreibmaschinenkunde, und jetzt haben wir sogar ein Kürzel dafür erfunden, zu internen Zwecken: S-Kunde.

alte Schreibmaschine
Auf Französisch heißt die Tastatur le clavier
Hatten wir schon mal, im Sommer habe ich darüber geschrieben: Aufgrund der technischen Möglichkeiten, Bürger, Politik und die In­dustrie auszuspionieren, scheint die einzige Mög­lich­keit zu sein, die Unternehmen bleibt, auf die gute alte Klapperatistik zu­rück­zu­kom­men. Auch die Presse hat berichtet.

Den Klang dieser Geräte mag ich gerne, das war der Sound meiner Kindheit. Wir lebten damals im Hinterhof in einem wunderbaren Schlösschen aus rotem Zie­gel­stein, bei uns und im Vorderhaus wurden die ganze Zeit irgendwelche Seminar-, Diplom- und Doktorarbeiten getippt.

Und weil die Sache so schön ist, hier gleich noch zwei Sounds zum Thema alte Bü­ro­tech­nik; Kids von heute können mit Wählscheibentelefonen nicht mehr viel an­fan­gen. Es folgt ein Geräusch aus der Küche, das bei mir tatsächlich öfter mal zu hören ist: das der Kaffeemühle. Ich mag keine hypermodernen, raumgreifenden Küchenmaschinen, die nach kurzem Gebrauch aufwändig zu putzen sind, daher ha­be ich das Teil in Benutzung, mit dem mein Urgroßvater schon seinen Kaffee ge­mah­len bekam.

Die Sache vom S-Kunden ging ins Englische, es handelt sich wieder mal um ein Pa­tent, ich durfte weiterreichen. Es droht also keine "Seh­nen­ent­schei­dungs­ge­fahr".

Links:
www.conservethesound.de — verschwindende Töne bewahren
www.unsplash.com — jede Woche gibt es hier zehn lizenzfreie Fotos

Vokabelnotiz
die Wählscheibe — le cadran (d'appel)
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Foto: S. Zolkin via Unsplash

Donnerstag, 11. September 2014

Image

Herzlich willkommen auf den Seiten meines digitalen Arbeitstagebuchs! Auch an Tagen, an denen ich nicht gegen Honorar Drehbücher übersetze oder Konferenzen verdolmetsche, arbeite ich intensiv. Derzeit muss ich mich um Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten und um mein Image kümmern.

Gestern habe ich huldvoll die erste Buchung für einen Dolmetscheinsatz ent­ge­gen­ge­nom­men, der in sieben Monaten stattfinden wird. Während ich mich tagsüber mit stiller Arbeit in der Studierstube auf die nächste Konferenz vorbereite, ver­brin­ge ich manche Teepause mit den Kollegen in der digitalen Kaffeeküche unseres virtuellen Großraumbüros.

Sara: Da ist 'ne Sache, an die erinnere ich mich nicht mehr. Ist deine Muttersprache jetzt Französisch oder Deutsch? Sara: Also in welche Richtung übersetzt du? Antwort: Dt. Sara: Also vom Französischen ins Deutsche. Antwort: Ja
"Instantdiskussion" statt Chat
Dabei meldete sich gestern eine ent­fern­te Bekannte mit Fragen wie dieser, die mich belustigen. Hintergrund: In der Vorbereitung eines Kulturprojekts sucht eine Französin, die seit vielen Jahren in Berlin lebt, sie ist die Freundin von Freun­den, eine Übersetzerin. Denn im Vorfeld des Events wird es einiges an Texten zu über­tra­gen geben. Vor der Zusendung der Ausschreibung chattete sie mich kurz via Web 2.0 an. Die Über­setzungen sollten ins Französische ge­hen. Da musste ich ihr leider ab­sa­gen.

Voll­stän­dig daneben lag die Dame aber nicht. Manchmal über­setze ich in der Tat in meine erste Ar­beits­fremd­spra­che.

Das sind in der Regel kürzere Texte aus Arbeitsfeldern, die ich gut kenne. An­schlie­ßend lasse ich meine Fassung gründlich lektorieren. Dabei kann ich immer etwas hinzulernen, diese Art des Arbeitens hat etwas von privatem Unterricht. Ich ge­nie­ße das sehr.

Hier ging es um einen sehr um­fang­rei­chen Auf­satz für einen Katalog. Das soll dann doch besser eine Mut­ter­sprach­lerin oder ein Muttersprachler über­neh­men. Zum Glück konnte ich ihr gleich zwei Namen von einschlägig spezialiserten Kollegen nen­nen. Noch besser: Wenige Momente später hatte ich einen Dol­metschauftrag in der Tasche, denn beim Event werden auch Sprachmittler zum Einsatz kommen und hier arbeite ich in beide Richtungen (und aus dem Englischen), zusammen mit der jeweiligen Ko-Kabine natürlich.

So, der heutige Nachmittag gehört nach einem reellen Kaf­fee­trink­drei­vier­tel­stünd­chen mit einem Berufskollegen der Verwaltungsarbeit. Anschließend mache ich mir noch Gedanken darüber, wie ich mein Image eindeutiger werden lassen kann. Wer weiß, welche Drehbuchübersetzungsanfragen mich derzeit nicht erreichen, weil ich öfter als vermeintliche Französisch-Muttersprachlerin rü­ber­zu­kom­men scheine. Nochmal: Ich übersetze umfangreiche und künstlerische Texte nur ins Deut­sche.

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Illustration: facebook (verändert)
Die Übersetzung kann lesen, wer mit
dem Cursor auf die Illustration fährt.