Dienstag, 27. Januar 2015

Bonjour

... und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit Schwer­punkt Wirt­schaft, Po­li­tik und Film kön­nen Sie mich bu­chen. Auf den nächsten Sei­ten be­schrei­be ich (meistens ver­all­ge­mei­nert) ty­pi­sche Mo­men­te aus dem Be­rufs­all­tag.

Caroline Elias, +49(0)172 499 8902
Derzeit am besten mobil erreichbar!
Ich biete an:
— bilaterales DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Medien, Wirtschaft und Handel, Luxusgüter, Bildung und Soziales, EU-Se­mi­na­re, Kino-, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, deutsch-französische Be­zie­hun­gen und Lan­des­kun­de, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur und Ur­ba­nis­mus, Li­te­ra­tur, Ge­schich­te Berlins und der DDR, Afrika (Wirt­schaft und Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche, z.B. Dreh­buch, Förderantrag, Katalog, Korrespondenz
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
— für Politiker (*), Wissenschaftler, Fir­men- und Pri­vat­kun­den, Filmmitarbeiter usw.
ZUSAMMENSTELLUNG von Teams

Ich berate persönlich per Telefon oder Mail, denn jede Anfrage ist anders, jedes Thema besonders, kurz: Ihre Gäste und Kunden haben den besten Service verdient und kein Angebot von der Stange, das in Asien genäht (bzw. vom Sprachmakler, das an den/die Billigsten vertickt) wird.

Außerdem bin ich versiert in den Bereichen:

— Synchronbücher für Dokumentarfilm, Untertitel, Übertitel (Theater)
— Audio­des­krip­tion für Sehbehinderte bzw. Untertitel für Hör­­geschädigt­e, Er­stel­lung und Lek­to­rat, in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin
 — Texten, Rewriting und Recherche (Themen auf Anfrage). Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an vier Büchern beteiligt.


Hier, zu welchen Inhalten ich 2014 aktiv war plus einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Interprète indépenante, pas d'agence  ! Berlin, Französisch, Deutsch, Simultandolmetschen, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, Beratung, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris. 
(*) und selbstverständlich jeweils auch die -innen!
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Foto: Friederike Elias

Montag, 26. Januar 2015

[ɛsˈt͜sɛt]

Hallo! Sie le­sen in ei­nem di­gi­ta­len No­tiz­buch ei­ner Über­setzerin und Dol­met­scher­in. Hier denke ich auch über die Grundlagen der Arbeit nach, über Wörter und Buchstaben.

"STRAßENBAU" steht auf Schutzwesten von Bauarbeitern
Fleißige Männer ...
Eine bekannte deutsch­spra­chi­ge Au­to­rin schreibt die schar­fe Variante des Doppel-S mit den getrennten Buch­sta­ben "sz". So behalf man sich einst, als es noch keine deut­sche Tastatur auf der Schreib­ma­schi­ne gab. Das Eszett ist ein originärer deutscher Buchstabe. Und zwar exakt so, wie der Fleiß als originäre Grundtugend der in Deutsch­land lebenden Men­schen gilt.

Der Buchstabe sieht für viele so ungewohnt aus, dass er bei mancher Designschrift aus den Linien der als wohlgesetzt anerkannten Proportionen fällt. Das führt dazu, dass die unter Anpassungsdruck stehenden deutschen Grafik- und Bildchefs den Buchstaben nicht mögen.

"STRAßENBAUARBEITER" bei der Kaffeepause
... bei der wohlverdienten Pause.
Jetzt kämpfen in einer deut­schen Redaktion gerade die Bild- gegen die Wort­men­schen. Die Titelstory soll näm­lich dem Fleiß gewidmet sein. Die Grafiker möchten um keinen Preis ein Eszett auf dem Titel sehen. Dabei gibt es den Buchstaben, den die Schwa­ben "Drei­er­les-S" nen­nen, seit dem 14. Jahr­hun­dert. Die Sache nennt sich eine Ligatur, ein Buch­sta­ben­ver­bund.

Heute ist das Eszett sogar als Großbuchstabe erlaubt. Gewöhnungsbedürfig er­scheint mir zumindest diese Va­ri­an­te. Der Wortredakteur, der damit im Clinch liegt, trägt übrigens den schönen Namen 'Maß'. Ob die Redaktion als solche in ihrer Auseinandersetzung dieses wird halten können?,

fragt mit Gruß und Kuss:
Caroline Elias

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Fotos: C.E. (gewidmet einem Mann, dessen Name
auch ein Eszett beinhaltet).

Donnerstag, 22. Januar 2015

Schüttelbörse

Bonjour, bienvenue, welcome ...! Was mich als Dolmetscherin und Übersetzerin so umtreibt, lesen Sie hier. Außerdem denke ich über das Arbeitsmaterial nach: die Sprachen.

Geschenke kaufe ich ähnlich wie Lebensmittel: Ich ziehe regional und in tra­di­ti­o­nel­­len Methoden Produziertes vor. Auf dem Neuköllner Kunstgewerbemarkt, der auch außerhalb der Adventszeit jeden Samstag am Maybachufer unter dem Titel "Neuköllner Stoff" stattfindet, fand ich letztes Jahr wieder, was ich als Kind immer bei meinem Vater gesehen haben: Ein Portemonnaie fürs Kleingeld. Im Kaufhaus sind mir solche Geldbeutel schon lange nicht mehr aufgefallen.

Das Portemonnaie wurde in Berlin nach alten handwerklichen Regeln produziert und von seinem Hersteller "Schüttelbörse" genannt. Das ist doch mal ein gutes Stück für den "Sprachschatz"!



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Foto: C.E.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Morgensound

Hal­lo und gu­ten Tag auf den Sei­ten ei­nes di­gi­ta­len Arbeitstagebuchs. Ich dol­met­sche aus dem Französischen und ins Französische und habe Englisch als weitere Aus­gangs­sprache. Daneben übersetze ich, Zielsprache ist hier immer Deutsch.

An manchem Morgen klinge ich beim Aufwachen, als würde ich heute auf ein Casting für Rammstein gehen, dem Vernehmen nach wird da eine neue Lead­sän­ge­rin gesucht. Oder als müsste ich Lee Marvin ersetzen, wenn er "I was born under a Wandering Star" singt.

Wenn mich Anrufer am Telefon fragen, ob denn auch Frau Elias im Büro sei, liegt es oft daran, dass die Stimmbänder etwas zu viel zu tun gehabt haben. Manch­mal sind aber auch die Jahreszeit oder die Menge der in Umlauf befindlichen Bakterien und Viren schuld.

                         Ab 1'13'' kommt die Stimme von Lee Marvin, Wand'rin Star, 1969

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Film: YouTube

Dienstag, 20. Januar 2015

Redundanz

Bon­jour, herz­lich will­kom­men! Hier bloggt eine Sprach­mittlerin. Mein Wo­chen­an­fang war etwas holprig, dauerndes Gehämmere und Gewummere von Bau­ar­bei­tern kündet noch davon (und nervt). Dann klingelt das Telefon.

Solche Momente zähle ich schon gar nicht mehr. Standard A geht so: Ein po­ten­ti­el­ler Kunde ist am Telefon. "Spreche ich da mit der Dol­met­scherin? Wir hätten da ein Dokument, und zwar eine Geburts-Studien-Hoch­zeits-oder-Sonstwas-Urkunde, ob Sie die vielleicht für uns ...?"

Noch bevor ich antworten kann, folgt eine Frage wie diese: "Sie sind doch amtliche Dolmetscherin? Ich meine, ermächtigt?"

Nächster Schritt: Ich erkläre, dass Übersetzer schriftlich übersetzen, Dolmetscher mündlich übertragen und dass es darunter natürlich beeidigte Sprachmittler gibt, die Dokumente fertigen, dass ich aber mit dieser Art von Übersetzungen nichts zu tun habe.

Wählscheibentelefon
Frage des Anrufers/der Anruferin: "Aber Sie sind doch Dolmetscher?"
Ich: "Ja, zum Beispiel auf Konferenzen, in der Wirtschaft oder der Politik.
Anrufende Person: "Und Sie sind auch Übersetzer?"
Ich: "Ja, ich übersetze auch, aber Film­exposés, Drehbücher, Untertitel, Sprecherkabinentexte, Zeitungsartikel, Webseiten usw."
Telefonmensch: "Und warum können Sie dann meine Urkunde nicht dolmetschen?"

OK. Nochmal von vorne anfangen? Darauf habe ich keine Lust, ebenso wenig auf Dokumente. Das ist einfach nicht mein Fach.

Pause. "Ich vermittle aber immer gern Kolleginnen und Kollegen," versuche ich die Chose wieder in Bewegung zu bringen. Meistens kommt dann ein: "Aber sie sind die einzige, die in der Nähe wohnt!"

Stimmt, innerhalb von vier Jahren ist jetzt die zweite Dolmetscherkollegin aus dem Kiez weggezogen. (Urkunden war von keiner das Fachgebiet.)

Oder Standard B. "Wir haben hier ein Drehbuch, das wurde übersetzt, aber ir­gend­was stimmt mit der Übersetzung nicht. Könnten Sie das bitte einmal überprüfen?"

Die deutsche Fassung hakt von der ersten bis zur letzten Zeile. Übersetzt wurde sie von der a) Praktikantin, b) dem Schwager des Bekannten, c) einer Studentin, d) einem Exildeutschen, der seit 30 Jahren in Indien lebt, e) der Lehrerin, die derzeit im Mutterschutz ist, f) dem Betreiber einer kleinen Agentur, die auch Reisen und Stadtführungen in zehn Sprachen anbietet, g) vom Computer. (Zu­tref­fen­des bitte unterstreichen.)

Warnung
Bezahlt wurden an den Erst­über­setzer 80 % dessen, was veranschlagt wurde. Her­zens­wunsch des Anrufenden ist nun, dass ich für 20 % alles re­pa­rie­ren möge. Das Pro­blem: Eine Reparatur ist auf­wän­di­ger, als es neu zu über­setzen, weil mich die hunds­mi­se­ra­ble Vor­la­ge ständig rausreißt und ich gar nicht in den Flow komme.

Personaldokumente und -urkunden sind mir schlicht zu langweilig. Ich bin ein con­tent driven girl, wie die Amis sagen, ich brauche Inhalte. Und zwar spannende, gut geschriebene Bücher, in die ich mich reinschrauben, mit denen ich leben, die ich in die andere Sprache und Welt hinüberlotsen kann.

Und ich führe keine Reparaturwerkstatt, um die von anderen ver­bock­ten Geiz-ist-geil-Be|sch...|trugsprojekte auswetzen zu helfen. Ich bin Fachfrau, habe etliche Jahre studiert und verfüge über noch viel mehr Jahre an Berufserfahrung. Vergleichen Sie meine Leistung mit anderen Fachleuten, die ein langes Hoch­schul­stu­dium absolviert haben, mit Ihrem Arzt oder Anwalt.

Billig ist in meiner Branche nichts; wer billig will, bezahlt doppelt. "Übersetz doch mal grob",  bat mich neulich eine Produzentin. Das, mit Verlaub, ist nun wirklich amtlicher Unsinn. Meine Antwort fällt knapp aus: "Mal so grob übersetzen ist Murks und genauso schlau, wie mal so grob mit 230 Sachen bei Glatteis über die Autobahn zu brettern."

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Illustration: Netzfund

Donnerstag, 15. Januar 2015

Charivari

Bon­jour, bien­ve­nue und herz­lich will­kom­men! Ge­plan­ter­wei­se oder zufällig sind Sie auf den Seiten einer Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache (und aus dem Englischen) gelandet.

Auf dem Schreibtisch, die Zwote: Vaterschaftsanerkennung (zu verdolmetschen), ein Trailer für den Berlinale-Markt (Untertitellektorat) und ge­dreh­tes fremd­spra­chi­ges Material auf Schneidbarkeit hin analysieren. In mir kommen dunkle Er­in­ne­rungen hoch an ein Gespräch vor einigen Jahren. Weil es so schön war, bringe ich es hier nochmal.

Blick auf den Landwehrkanal
Eiffelturm in Berlin
— Wir suchen in Köln eine Dolmetscherin für das TV-Interview mit einer Autorin. Kennst Du wen?
— Ich komme!
— Ja, nee, keine gute Idee. Wir haben kaum Geld, und wir können keine Profi-Dienstleistung für fast umsonst erwarten. Hast Du vielleicht eine begabte Studentin oder so, die Du uns empfehlen kannst?
— (... ) Eher nicht. Erst neulich durfte ich gedrehtes Interviewmaterial im Schnitt ret­ten. Beispiel für eine Antwort gefällig? Zitat: "Naja, wie schon vorhin gesagt, stimmt das so. Es war am 23."
— Kontext?
— Der Kontext fehlte. Der Take hätte das zuvor Gesagte wiederholen sollen ...

... Aber weil vom Team außer der Studentin keiner Französisch sprach, ging das beim Dreh so durch.
— Und dann?
— Wir haben aus später gegebenen drei Antwortteilen was zusammengefrickelt und dann zwischendurch ganz viel Wohnung gezeigt, zum Glück gab's ausreichend Ma­te­rial für Schnittbilder. Das war ein Gefriemel! Und hat gedauert! 

Hier wurde beim Dreh an der falschen Stelle gespart: Das ist wie teures Wild­gou­lasch mit einer Tü­ten­sau­ce vom Discounter kredenzen. Sparen will gelernt sein, dabei wäre öfter das Wort "knausern" angebracht. Hier noch ein Verweis auf Äl­te­res, ein Text übers Sparen (Link)! Und ja, es ist schwierig, in Zeiten knapper öf­fent­li­cher Kassen die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Im Sprachmittlerbüro ergeben sich dadurch Verschiebungen. Die Berlinale­vor­be­rei­tung fällt dieses Jahr leider etwas knapp aus, was an den selteneren Nach­fra­gen der Veranstalter für Fran­zö­sisch und Deutsch liegt. Wir sind inzwischen alle Kinder Shakespeares geworden, sein Idiom ist die neue Hauptarbeitssprache.

Infrarotlicht, (1) Deutsch, (2) Englisch
Französisch war hier die Sprache der Pressekonferenz
Es bleiben aber die zu ver­dol­met­schen­den Pres­se­in­ter­views. Paradoxerweise über­setze ich auch wie­der mehr Film­ex­po­sés aus dem Eng­li­schen als noch vor einigen Jahren. In der Mit­tags­pau­se habe ich die gute alte BBC angeworfen! Das ist dann im­mer "zwei auf einen Schlag", faire d'une pierre deux coups, ich informiere mich und ich ak­ti­vie­re eine Sprache.

Außerdem ist es immer wichtig, in Sachen News den eigenen Horizont zu ver­grö­ßern. Schon, damit das umgebende Charivari den eigenen Kopf nicht dominiert. (Mehr zum titelgebenden Wort hier: klick!)

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Fotos: C.E.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Auf dem Sekretär

Hallo! Willkom­men! Schön, dass Sie auf den Sei­­ten meines Blogs ge­­lan­­det sind. Hier schrei­be ich über meinen Sprach­­be­­ruf: Ich bin Dol­­met­­scher­in und Über­­setzerin für die französische Sprache (und aus dem Englischen). Heute wieder: Blick auf den |Schreibtisch| aufs bureau de pente.

Wo in Berlin treffen Detektive auf Greifvögel, Zahlenkolonnen auf politische Car­toons? In meinem Büro!

Lampe, Uhr, Stiftköcher, Kalender, Brieföffner
Blick auf das obere Teil meines Sekretärs
Zwei Fernsehprojekte werden vorbereitet, da steht erstmal Bürokommunikation für Kun­den an, ein Dreh­buch­lek­to­rat folgt. Demnächst wird's er­neut um allgemeine Politik und Me­dien­po­li­tik gehen; die Berlinale wirft ihre Schatten voraus. Zur Vorbereitung ha­be ich mich mal wie­der in Ba­bels­berg umgesehen, Bericht folgt. Auch Kosten­vor­an­schlä­ge be­schäf­ti­gen mich.

Dann hat mich eine junge Kollegin gefragt, wie das denn nochmal sei mit dem "im Off" gesprochenen Ton, werde der auf Französisch hors champ genannt? Ja, das geht. Aber was sei der exakt richtige Begriff? Es muss also ganz genau sein.

Die voix off (Stimme aus dem Off) ist vor allem eine Erzählstimme, auch wenn mir für gesprochene Sprache innerhalb der Szene, die hors champ genannt wird, was so viel wie "außerhalb des sicht­ba­ren Be­reichs" heißt, der optische As­pekt für mich vielleicht ein Fitzelchen zu sehr dominiert. Das Wort champ visuel, Sicht­feld, schwingt mit, trotzdem ist diese Differenzierung richtig.

Der Kopf sortiert point de vue und point d'écoute, Drehjargon und Analysebegriffe (aus der diegetischen Analyse — analyse diégétique). Am Set verschwimmt häufig die Trennschärfe. Meine Beschäftigung im Be­reich Film ist im letzten Jahr zu­rück­ge­gan­gen, was an den weniger gewordenen mittelgroßen Filmen liegt (les films du milieu), aber auch an der zerstörerischen Konkurrenz durch den Nachwuchs kom­bi­niert mit zurückgegangenen Qua­li­täts­an­sprü­chen. Ich werde dazu noch einiges nach­le­sen. Weitere Anmerkungen kommen hier nächste Woche.

Bis dahin bin ich gespannt, was für Anfragen noch reinkommen. Kostenvoranschläge und erste Kongressberatung sind selbstredend kostenlos!

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Foto: C.E.

Großes Gelächter

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Neues Hobby: Karikaturen übersetzen, hier die 3. Folge. Das hat auch etwas von Katharsis und Trauerarbeit. Ich beobachte, was mir dabei auffällt, und werde die Ergebnisse dann später zusammenfassen. (Links zur 1. und zur 2. Folge).
Tags: #JeSuisCharlie, #GenerationCharlie
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Zeichnung: R. Durtreix

Dienstag, 13. Januar 2015

Charlie forever

Willkommen liebe Leserin, lieber Leser, auf den Seiten des ersten Weblogs, der im Inneren einer Dolmetscherkabine oder am Übersetzerschreibtisch ist. Europa zit­tert wegen der Ereignisse der letzten Woche nach. Lachen hilft, Ängste zu über­win­den. 

Morgen erscheint Charlie Hebdo wieder. Normalweise lag die Auflage bei 60.000 Exemplaren, von denen nur die Hälfte verkauft worden sind. Morgen werden an­stel­le der zunächst geplanten eine Million Exemplare sogar drei Millionen aus­ge­lie­fert. Au­ßer­dem wird das Heft in viele Sprachen übersetzt: Türkisch, Arabisch, Eng­lisch, Spanisch, Italienisch. Nur eine deutsche Fassung wird es leider nicht geben, ob­wohl Deutsch in Europa die am meisten gesprochene Sprache ist.

Diesem Misstand kann ich ein kleines bisschen abhelfen. (Hier war die 1. Folge und dort ist der 3. Beitrag.)
Niemand hatte den Terroristen vorher gesagt, dass die 72 Jungfrauen nur gezeichnet sind und wer sie zeichnet...

Niemand hatte den Terroristen vorher gesagt, dass die 72 Jungfrauen nur gezeichnet sind und wer sie zeichnet... (FR)

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Illustration: CLOU (?) für Charlie hebdo
Tags: #JeSuisCharlie, #GenerationCharlie

Katzenmusik

Will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Fran­zö­sisch­dol­met­scher­in und -über­setzerin aus Berlin. Hier kön­nen Sie in unseren Alltag Einblicke nehmen. Mein Arbeitsjournal ist aber auch der Ort, an dem ich über die Sprachen nachdenke, mit denen ich arbeite.

Gestern hatte ich einen Kater. Keinen, der auf Alkohol zurückzuführen ge­we­sen wäre, son­dern einen infolge Überkonsums von Medien, einen nach zu viel Arbeit und dem Kontakt mit zu viel verstörender Wirklichkeit. Natürlich denke und lese ich weiter viel über die politischen Folgen nach. Die nächste Konferenz zum The­ma kommt bestimmt, da will ich gewappnet sein. Die ersten Kakophonien (Miss­klän­ge) und politischen Vereinnahmungen sind bereits zu hören.

Katzen purzeln über ein Notenblatt
Moritz Ludwig von Schwind (1804 bis 1871)
Und lange schon habe ich darauf gewartet, dieses Zitat eines/einer Unbekannten hier unterzubringen, das mich spontan überzeugt hat: "Katzen, Erfinder des In­ter­nets". Deshalb heute (siehe unten): Proudly presents, das Netzfundstück mit dem anderen cat content: Katzenmusik.

Vorab aber einige linguistische Gedanken. Denn das Wort ist einzigartig und wandert heute in die Sprachschatzschatulle.

Meine beiden anderen Arbeitssprachen ken­nen es leider so nicht. Englischen Freun­den habe ich den Begriff "cat music" wie­der­holt wört­lich übersetzt, und ich durfte dann charivari und shivaree lernen.

Heute verstehen wir hierzulande unter einem Charivari eine kleine silberne Kette, die mit einzelnen Fundstücken ver­ziert wird, kleinen Glücksbringern aus kost­ba­rem Stein, Horn, Metall wie alte Münzen, es können aber auch andere Gaben der Natur wie kostbare Perlen sein.

Der Begriff Charivari leitet sich vom lateinischen caribaria ab, "Durch­ein­an­der", "Verrücktheit". Auf Französisch wurde charabia daraus, was das Kud­del­mud­del auf eine sprachliche Ebene reduziert, also "Kauderwelsch" und "Geschwätz" meint. Napoleons Truppen brachten den Begriff nach Deutschland, wo er von manchen auch noch in der Bedeutung als "Katzenmusik" verstanden wird, im 19. Jahrhundert war diese Interpretation weit verbreitet.

Springen wir direkt nach Frankreich. Wie gesagt, die Vokabel charabia führt heute nur noch in den Bereich verbaler Äußerungen. "Musique de chat" ist lediglich die wörtliche Übersetzung für misstönende Musik, ich muss es dann auf­lö­sen und mu­sique discordante sagen. Oder ich verwende das oben schon ver­wen­dete Wort cacophonie. Der Katzengedanke fällt dabei leider völlig weg, was einen beim Dol­met­schen durchaus schon mal so melancholisch machen kann, wie es die Katzen­mu­sik ist, die Sie gleich hören dürfen.

Aber dafür gibt's in Frankreich noch etwas anderes, und zwar le pipi de chat. Katzenpisse, wie sie hier verstanden wird, hat die Eigenschaft, gleichermaßen nicht sehr ergiebig und sehr unangenehm zu sein. Ein schlechter Fusel kann z.B. pipi de chat genannt werden. Womit der Kreis zum "Kater" geschlossen wäre.

Misstönend finde ich nicht, was mir eine Kollegin gestern zur Erbauung geschickt hat. Im Gegenteil, ich finde, die Musik passt zur Zeit, die zwischen Moll und Tango angesiedelt ist. Voilà !



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Film: Mindaugas Piečaitis dirigiert das Kammerorchester
Klaipeda, starring Nora, die Klavierkatze, CATcerto
Illustration: Moritz von Schwindt