Freitag, 24. Mai 2013

Bonjour ...

... und will­kom­men! Hier kön­nen Sie (fast täg­lich) in meist kur­zer Form neue Episoden aus dem Alltag einer Fran­zö­sisch­dol­metscherin und -übersetzerin lesen, stets unter Wahrung dienstlicher Geheimnisse. Wie Sie mich erreichen können, steht gleich rechts. Ich biete an:

— bilaterales DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Wirtschaft, Soziales, Medien, Kino, Kul­tur­wirt­schaft, deutsch-französische Beziehungen und Landeskunde, Architek­tur/In­nen­archi­tektur, Literatur, Geschichte Berlins und der DDR, Afrika (Wirtschaft und Soziales)
— auch Begleitdolmetschen für Geschäfts- und Privatleute, Set-Dolmetschen von VIPs
— ÜBERSETZUNGEN ins Deutsche, vor allem von Drehbüchern, Förderanträgen, Exposés, Webseiten, Katalogen, Korrespondenz
— UNTERTITEL und Texten/REWRITING

sowie
— Erstellen und Lektorat von Audiodeskriptionen sowie von Untertiteln für Hörgeschädigte (in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin)
— Führen von Interviews für elektronische Pressemappen (EPKs)
— Recherchen für Sender und Autoren
— Zweisprachige Moderation (im Erstberuf bin ich ausgebildete Journalistin)
— Sprechen (ausgebildete, warme Altstimme; Deutsch und Französisch akzent- und dialektfrei)
— Lehre: Medienwirtschaft, Französisches Kino, Französisch für Filmschaffende, Lerntechniken

Mehr Arbeitsbeispiele und Referenzen hier: klick. Tags: Konferenzdolmetscher, Dolmetscher, Berlin, Französisch, Deutsch, Simultandolmetschen, Synchron, Untertitel, Französisch, Deutsch, Englisch
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Foto: Friederike Elias

Donnerstag, 23. Mai 2013

Rumms-schlurps-klickedieklack

Hallo! Sie lesen im ersten deut­schen Web­log aus dem In­ne­ren einer Dol­­met­­scher­kabine. Hier kön­nen Sie Ein­blick in un­se­ren Ar­beits­all­tag ne­hmen.
 
Es gibt Tage im Dolmetscherleben, die würde ich am liebsten aus demselben streichen. Sogar dann, wenn es wie heute am Ende extra Applaus für uns Wesen in den Kabinen gibt. (Naja, wenn es denn Kabinen gibt ... über das Leben außerhalb der schallisolierten Kästen schrieb ich bereits.)

Wir Sprachmittler sind hellhörige Wesen, sprechen leise bis halblaut, während wir unsere Arbeit verrichten, das gehört zur Inhaltsvermittlung, ohne das geht es nur bei Gebärdendolmetschern, solche waren nicht einbestellt wor­den. Dafür steht Flüstersimultan in einem Vortragssaal auf dem Programm. Wir sitzen also zu zweit hinter zwei Kunden, eine andere Dame sitzt neben uns und hört mit halbem Ohr rein. Wenn sie was hört.

Zwei Herren stehen vorne mit großer Entfernung zum Mikro; in einer hinteren Reihe schreibt eine männliche Hand etwas auf, ein weiblicher blonder Kopf ist in Flüsternähe zu nämlichem Mann.Wir hören teilweise auch nicht so viel ... von den Vorträgen. Der junge Mann hin­ten links lässt die Mine seines Ku­gel­schrei­bers immer wieder raus- und rein­schnap­pen, bis ihn ein böser Blick von mir ereilt. Er wirft einen Ent­schul­di­gungs­blick zurück. (Eine halbe Stun­de später wird er am Kuli nu­ckeln (sic!), was auch nicht ohne Be­gleit­ge­räu­sche geht.)

Direkt hinter uns Getuschel, ich feuere wieder einige Blicke ab. Neben uns die Tür ist nur angelehnt, wir hören, wie draußen Tische gedeckt werden. Als die Kol­le­gin dran ist, schließe ich die Tür. Und weiß dann, warum sie vorher leicht verkeilt "an­ge­lehnt" war: Jedes Mal, wenn jetzt jemand den Raum betritt oder verlässt, setzt es ein lautes Rumms, ganz zu schweigen vom Klickediklack der schicken Hacken­schuhe, für die sich heute ungefähr der Hälfte der anwesenden Damen entschieden hat. Hatschi!, wieder gibt's ein Tonloch, zwei Reihen vor uns agiert ein Kampf­blät­terer, leider erreichen ihn meine Blickpfeile nicht.

Die Kollegen einer anderen Sprachrichtung, die überwiegend aus In­for­ma­tions­gründen mit­ge­kom­men waren, werden später sagen, dass bei der beschriebenen Ver­an­stal­tung erster Teil, Außentermin eines EU-Seminars, auch ohne diese Stör­ge­räusch­arie die leise sprechenden Redner oft kaum verständlich gewesen seien.

Soviel fürs Setting. In dieses akustische Ambiente hinein dürfen wir flüster­dol­met­schen. Aber wir können gar nicht so leise sprechen, wie es nötig gewesen wäre, um die jeweiligen Redner durchgehend zu verstehen. Wir haben natürlich auch Respekt für unsere direkten Dol­metsch­kli­en­ten, die entspannt vor uns sitzen sollten, denen am Ende wir aber fast auf dem Schoß hocken.

Die Sache war heterogen. Einmal überlege ich gerade, in wessen Ohr ich jetzt hin­ein­krie­chen soll, da tritt ein Redner auf den Plan, der offenbar vorab von kun­di­gen Wesen in den Gebrauch eines Mikrofons eingewiesen worden ist. Aber auch hier ist die Lautstärke bald im Sinkflug. Gibt es vorne irgendwelche akustischen Artefakte, ein Echo wie im Cinéma Paris?

Um die Sache klarzustellen: Unserer Not ist unsereiner nicht vollständig aus­ge­lie­fert. Wir arbeiten zu zweit, eine dolmetscht, die andere notiert Zahlen, Namen, Kürzel ... und geht im Bedarfsfall eine Runde mosern. Der Angesprochene gibt die Sache mit einigem zeitlichen Abstand an den Haustechniker des Gastgebers weiter, der sich bei uns erstmal ausführlich erkundigt, was denn los sei, anstatt selbst zu hören, selbst zu sehen und selbst zu urteilen.

Entsprechend gibt es erstmal ein My mehr Lautstärke — und erneut ausführliche Nachfragen durch nämlichen Haustechniker, sodass es mir fast schon leid tut, dass wir überhaupt etwas gesagt haben. Wir hätten natürlich die ganze Veranstaltung kurz unterbrechen und Sitzplätze in Reihe eins und zwei einfordern können, was unsere Dolmetschklienten aber explizit nicht wollten. (Sowas ist auf in­ter­na­tio­na­lem Parkett immer ein wenig delikat; die Angst, als etwas zwischen ein wenig selbstüberschätzend und nicht polyglott genug wahrgenommen zu werden, über­wiegt.)

Am Ende, welch' Glück, ergreift eine junge Auszubildende das Mikrofon, die Heldin des Tages, und bedient es sachgerecht. Es tut gut, ungestört dolmetschen zu dürfen.

Der Rest des Tages brachte weitere Kataströphchen, aber es lief dann doch OK ab, so dass wir am Abend, nach mittäglichem Umzug ins Kongresshotel und damit in die sicheren Gefilde der Kabinen, sogar eine extra Danksagung mit lang­an­hal­ten­dem Applaus erhielten. Das aber ist eine andere Geschichte.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Magische Dreiecke

Bienvenue, welcome, hallo ... beim Dol­met­scher­weblog. An dieser Stel­le denke ich über unseren Ar­beits­all­tag nach. Wir über­setzen und dolmetschen aus der französischen und in die französische Sprache sowie aus dem Englischen.

Elbstrand, vom Wasser aus durch die blaue Brille gesehen
Gute Bezahlung, ordentlich Spaß und (bzw. oder) viel Lernmöglichkeit, eine schmückende Referenz das sind die drei Eckpunkte für einen schmucken Auftrag. Am liebsten hab ich es, wenn alle drei Punkte erfüllt sind. Zur Not gehen zwei von drei ... wenn der 1. Aspekt ausreichend oft sein Häckchen bekommt, denn alles wird teurer, das geht auch Sprachdienstleistern so.

Leider haben manche Kunden allerdings das folgende Dreieck vor Augen: Am bil­ligsten, am schnellsten und am besten. Hier gehen immer zwei von drei: schnell und gut (aber teuer) oder billig und schnell (und eher nicht gut).

Jobs, die nur Spaß und Ansehen bringen, kann und will ich mir nicht mehr leisten. Spaß ohne Umsatz hat einen anderen Namen: Freizeit, Wochenende oder Urlaub. Ab aufs Wasser, statt über Dreiecke nachzudenken, oder: Auf Zeit im Ber­mu­da­dreieck verschwinden.

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Foto: C.E. (Hamburg-Nachlese)

Sonntag, 19. Mai 2013

Durchblicke

Blick durch ein Kronleuchterlement auf ein Fenster mit dahinterliegender grüner WieseHallo, hello, bon­jour, beim ersten Blog Deutsch­lands aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bine.

Re­gel­mä­ßig be­rich­te ich aus mei­nem Le­ben in der Welt der Spra­chen. Ein­mal in der Woche zeige ich hier meine Sonn­tags­bil­der.


Heute: Durchblicke aus Hamburg, wo ich meinen Pfingsturlaub verbracht habe.
Dass es kühl und reg­ne­risch war, lässt sich zu­min­dest er­ahn­en. Ge­nos­sen ha­be ich dort aber nicht nur das sat­te Grün der Stadt.
Blick auf Spaziergängerinnen im Grünen, im Hintergrund scheint der Hamburger Hafen durch
Blick in die Weite eines Parks, durch ein Fenstergitter hindurch aufgenommen

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Träges Haupt

« Bien­ve­nue !» Sie ha­ben die Ar­beits­ta­ge­buch­sei­ten ei­ner Über­setzerin an­ge­klickt, die da­ne­ben in Ber­lin und anders­wo für Po­li­tik, Soziales und Wirt­schaft, Kino und Kul­tur als Fran­zö­sisch­dol­met­scherin tätig ist. Hier denke ich regelmäßig über meine Arbeit nach.

Muskelkater in den grauen Zellen, Matschbirne, Postdolmetschhirnvernebelung, post-interpreting speech impairedness — die Begriffe für den Zustand sind zahl­reich. Ein richtig träges Haupt ist der Preis für anstrengende Einsätze. Manchmal fühle ich mich dann wie kurz vor grippal, ein anderes Mal einfach nur wunderbar müde und glücklich mit mir und der Welt.

In einem Berufsbildungzentrum arbeiten zwei jungen Männer mit Schaltkreis, Computer und Bleistift.Ich rechne bei den wirklich fordernden Einsätzen je geleistetem Arbeitstag mit einem Tag "Rückreise" in mein normales Leben. So wie diese Woche. Der 1,5-tä­gi­ge Einsatz endete Dienstag mit einem gemeinsamen Mittagessen, an­schlie­ßend hielt ich Mittagsschlaf: drei Stunden Tiefschlaf ohne Unterbrechung, also zwei volle Schlafphasen, ganz so, wie ich üblicherweise die Nachtruhe beginne. (Das konnte ich für mich zweifelsfrei er­ken­nen. Nachts bin ich nach den ersten zwei stets zu­­sam­­men­­hän­­gen­­den Schlaf­pha­sen nach jeder Phase kurz wach; die ver­gli­chen­en langen Phasen fühlten sich exakt gleich an.)

Interessant war allerdings, dass ich zu Beginn dieser Postdolmetschschlafphase das Gefühl hatte, sofort in die REM-Phase einzutreten. Ich bekam die starken Au­gen­be­we­gungen mit, wie sich mein Bewusstsein veränderte und zack! war ich "weg". (Und in der Nacht drauf schlief ich problemlos ein und dann acht Stunden lang.)

Am Tag danach bummelte ich vor mich hin: Hier ein wenig bloggen, dort ein­kau­fen, vor allem die Sonne genießen, auch Freunde sehen, wenig sprechen. Und ich habe eher lustlos in die Tonaufnahme reingehört, die ich vom Einsatz gemacht habe.

Nachdem ich oft die Aufnahmgeräte fotografieren konnte, die Journalisten bei den Interviews der Stars verwendet haben, die ich einst über­tra­gen ha­be (bevor ein Journalist die Arbeit übernommen hat, der nun ein meines Erachtens unlauteres Koppelungsgeschäft daraus macht: (qualitativ fragwürdiges) "Dolmetschen" plus (stets begeisterte) öffentlich-rechtliche Radiobeiträge), nachdem ich also diese Aufnahmegeräte oft bewundert habe, stehe ich nun selbst mitten in einer Probe­phase mit einem solchen.

Dafür gibt es zwei Gründe. Wir Dolmetscher kümmern uns in der Regel allein um die eigene Qualitätskontrolle. Nach den Einsätzen schaue ich mir kritisch an, ob ich mich gut und richtig vorbereitet habe. Ziel ist natürlich stets, Fehler zu fin­den und beim nächsten Mal zu vermeiden. Es gibt auch einen vorbeugenden Aspekt, daher muss ich mich ab und zu selbst hören.

Um zu prüfen, dass ich mir keinen "Sprachtic" eingefangen habe, fertige ich (bis­lang mit der Diktatfunktion des Mobiltelefons) regelmäßig kurze Aufnahmen an. Oder aber ich zeichne wie dieses Mal nahezu alles auf. Denn der Einsatz zu Wo­chen­an­fang war ein Solo-Einsatz. Normalerweise kommen wir Dolmetscher immer im Doppelpack vor und wechseln uns alle 20 bis 30 Minuten ab. Hier war kon­se­ku­ti­ves Dolmetschen geplant, da halten wir länger durch, gerne bis zu einer Stunde, in der Arbeitssituation wurde etwas wie "semi-simultan" daraus ... also simultanes Dolmetschen, aber mit Sprechpausen der Redner mitten in den Sätzen oder sogar Halbsätzen.

Die Damen und Herren ließen mir auch die nötige Zeit, um manchen kom­pli­zier­ten Ge­danken zuende zu dolmetschen, bevor der nächste ausgesprochen wur­de. Das ist natürlich weniger stressig als in der Dolmetscherkabine bei mehr­spra­chi­gen Veranstaltungen, wo, wenn die eigene Sprache mitunter auch noch "Pivot" ist, also die Schaltsprache, von der aus Verdolmetschungen in andere Sprachen erfolgen, der Stress noch einmal höher ist.

Dolmetschzeiten von 30 bis 51 Minuten, Pausenzeiten von 3 bis 55 Minuten. 1. Tag: Insgesamt ca. vier Dolmetschstunden über den ganzen Tag verteilt. 2. Tag: Vier Dolmetschstunden nur am Vormittag.Da ich das Wortfeld, um das es zu Wochenanfang ging, bereits gut kenne, habe ich überdies nicht nur aus dem “Arbeits­spei­cher” verdolmetscht, son­dern zum Teil auch von der “Festplatte" weg. Zudem war vereinbart worden, dass ich Dol­metsch­mo­dus und Pausen stets selbst wählen und gerne alle 30 bis 40 Minuten Pausen in der Länge meiner Wahl (bzw. wie nötig) ansagen darf.

Das habe ich denn auch getan, siehe oben. Damit lief dann der Rechner unterm Schädel nicht ganz so heiß! Auch weil die Inhalte hochspannend waren, sank mein eigener Stresspegel, ich kam in den Flow, die Pausen wurden kürzer.

Die "Ko-Kabine" (2. Dolmetscherin) ist sonst nicht nur für die Ablösung zuständig, sondern auch fürs Aufschreiben von Zahlen, Eigennamen oder Wortpaaren, wenn sich mancher Fachbegriff erst während einer Sitzung klärt (was gar nicht so sel­ten vorkommt: Über die Standardverwendungen hinweg gibt es ja auch immer grup­pen­spezifische, ja sitzungsspezifische Ausdrucksweisen). Und über die eigene Qualitätskontrolle hinaus habe ich durch die Aufnahme sichergestellt, dass ich meine Liste mit den Fachtermini vervollständigen kann. Vokabeln, die mir sonst bei der Solo-Nummer durchgeschlüpft wären, ziehe ich in den nächsten Tagen stundenweise aus dem Material. (Vielleicht fällt auch eine kleine Hörprobe für den Blog ab.)

Am Mittwoch, am Tag nach dem 1,5-Tage-Einsatz, war ich wunderbar knülle. Und ich hielt erneut einen Mittagsschlaf, diesmal am frühen Abend. Ich schlief 1,5 Stunden, nachdem ich zunächst eine halbe Stunde lang acht Mal mit zuckenden Gliedern in der Einschlafphase hochgeschreckt war. Die Augenlider waren dieses Mal ganz ruhig, der Schlaf in der Folgenacht nicht beeinträchtigt.

Heute fühlt sich der Kopf noch ein wenig träge an. Dolmetschen würde ich erst morgen wieder wollen, zum Glück 'mussdarf' ich erstmal nur weiterlernen, ein Seminar zum Thema Übergang von Schule in den Beruf steht an, das Thema "geht auf An­schluss". Nächste Woche werden wir zu zweit in der Kabine sitzen und im Vorfeld auch schon im Team lernen können. Das ist immer leichter, nicht nur für die ab­ge­bil­de­ten jungen Männer in einem Berliner Be­rufs­bil­dungs­zen­trum.

Und ja, nach einem mehrstündigen Solo-Einsatz dauert die Erholungsphase doch länger ...

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Handyfotonotiz aus einem Berufsbil-
dungszentrum/Notizbuch: C.E.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Tonlagen (und Wertschätzung)

Bonjour ! Schön, dass Sie mein Blog an­ge­steu­ert (oder die Sei­ten abon­niert) ha­ben! Hier schrei­be ich über den wechsel­vol­len All­tag von uns Sprach­mittlern. Als Über­­setzerin und Dol­met­scherin für die fran­zö­si­sche Sprache arbeite ich zum Beispiel in Berlin ... für die Bereiche Medien, Wirtschaft, Politik und Soziales.

Minister Georges Mandaoué blättert am anderen Ende des Tisches in einem Dokument, die Dolmetscherin spricht ins Mikrophon und hat viel Arbeitsmaterial um sich herum ausgebreitet
Minister Georges Mandaoué, Dolmetscherin
Als ich im Büro darauf warte, mit dem Wa­gen abgeholt zu werden, erhalte ich eine SMS: "Wir haben unseren Minister ver­loren!" Die Herren kommen zwar von weit her, sind aber seit dem Vorabend in einem Hotel Unter den Linden un­ter­ge­bracht, daher mache ich mir keine Sor­gen. Und liege richtig. Wenig später kommt eine zweite Nachricht aufs Handy, Entwarnung, ça y est, die Herren fahren los.

Das Moment mit dem verloren­ge­gang­en­en Minister war wie ein kleiner Vorbote für anderthalb Dolmetschertage, der sich voll und ganz erfüllt hat: Die Tage waren höchst ungewöhnlich, was zum Großteil am Team lag.

Der Arbeitsminister Neukaledoniens hielt sich mit kleiner Entourage in Berlin auf um zu erfahren, wie junge und benachteiligte Menschen hierzulande in den Ar­beits­markt integriert werden. Wir eilten von Termin zu Termin, sahen Werk­stät­ten, Schu­lungs­räu­me, eine Beratungseinrichtung mit integriertem Kindergarten und das Job­cen­ter von Treptow-Köpenick.

Als Dolmetscherin habe ich zu diesem Bereich schon wiederholt gearbeitet, das letzte Mal vor einem Jahr, der erste große Einsatz war 2007, der allererste kleine Einsatz vor den Hartz-Reformen. Wenn ich meine Lexiken zum Thema ansehe, kann ich die Veränderungen klar nachzeichnen. Das "Arbeitsamt" ist tot, wir haben mit einer "Agentur für Arbeit" und dem "Jobcenter" zu tun.

Jene, die dort aufschlagen, um Hilfe zu erhalten, werden "Kunden" genannt, was mich dauer­haft irritiert. Als Kundin bin ich König (Königin!), ich habe die Wahl zwischen ver­schiedenen Anbietern; hier stimmt wohl beides nicht. Nach einigem Nach­den­ken habe ich die Lösung für den Begriff, der vom englischen client kommt, eine Über­tra­gung wohl ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass die deutsche Sprache für das englische Wort sowohl den "Kunden", als auch den "Klienten" kennt. Ich per­sön­lich hätte "Klient" für angemessener empfunden, aber das hat in den Augen derer, die die Wörter festgelegt haben, sicher zu sehr nach der Welt der Anwälte und Psychologen geklungen und zu kompliziert für die zum Teil eher wenig gebildeten Menschen, die zur Zielgruppe der Einrichtungen gehören.

Mit Sprachniveaus habe ich es auch bei den Fachgesprächen zu tun. Einmal klärt die Delegation rasch unter sich etwas ab, halbe Sätze fliegen hin und her, am Ende kommt so etwas wie eine kleine Frage auf, die aber nicht gestellt wird. Alle sehen mich an. Ich hatte abgewartet, das Hin und Her nicht simultan verdolmetscht, weil es mit dem Bezug auf Interna losging und dann voller Begriffe war, die ich in der Situation einfach nicht wiedergeben konnte (eigentlich nicht mal abends in der Kneipe, wenn ich denn mit den Betreffenden abends in die Kneipe ginge).

Gruppenbild, fünf Herren, eine Dame
Gruppenbild mit Minister vor einem Berliner Jobcenter
Die Blicke ruhen weiter auf mir. Ich nicke und sage den Dolmetsch"kunden" im Af­fen­tem­po: "OK, ich wähle aber diplomatischere Be­grif­fe!" ... und lege los. Unsere Gast­geber haben davon nichts mit­be­kom­men. Später er­zäh­len mir die Herren aus Nou­méa, dass es typisch für Neukaledonier sei, mit der­ben Wörtern um sich zu wer­fen; man hoffe, ich sei nicht schockiert.

Zum Glück kann ich den Gästen erklären, dass die Berliner Umgangsformen mit­unter auch etwas handfester sind. Und ich grinse still, als der Staatssekretär zwi­schen­durch zu seinem Chef sagt: "Du, Minister, jetzt komm' doch mal auf den Punkt!" Das ist nur möglich, weil von Minister Georges Mandaoué eine sehr an­ge­neh­me, natürliche Autorität ausgeht und die Herren eine hohe kommunikative Kultur mitbringen, in der zielführende Kritik zum guten Ton gehört.
Merci beaucoup, Messieurs, et bon retour !

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Fotos: privat

Dienstag, 14. Mai 2013

Dienstwege

Gu­ten Tag oder gu­ten Abend! Ab­sicht­lich oder zu­fäl­lig ha­ben Sie ei­ne Sei­te mei­nes Ar­beits­ta­ge­buchs auf­ge­schla­gen. Als Dol­met­scher­in aus den Spra­chen Deutsch, Fran­zö­sisch und Eng­lisch (ins Fran­zö­si­sche und Deut­sche) schrei­be ich hier, was mir im Be­rufs­all­tag auf­fällt. Da­ne­ben über­setze ich auch. Bei­de Be­rufs­bil­der bie­ten im­mer wie­der An­lass, über die Spra­chen nach­zu­den­ken.

Dienstwege kenne ich nur als "Dienst­gänge", wenn ich zum Beispiel für einen Kunden einen Tag lang in der Staats­biblio­thek sitze oder bei Gericht ein Dokument abholen muss. Ansonsten hat unsereiner keinen Chef. Die Dienstwege und Hierarchien sind kurz, wenn ich mir selbst die Meinung sagen muss, z.B. weil ich mich mal wieder zu lange un­pro­duk­tiv an einem Buch festgelesen habe. 

Jetzt fanden sich in meiner letzten ins Französische zu wuppenden PPT (Power­PointPräsentation) so nette Begriffe wie "der direkte Dienstweg", "der kurze Dienstweg" oder "der kleine Dienstweg". Erst wurde ich stutzig, dann konnte mir eine frühere Studienkollegin, die heute als Beamtin wirkt, bestätigen, dass diese Begriffe synonymal gebraucht werden. Den "Dienstweg" kennen Franzosen auch.

Dort ist er la voie hiérarchique, wobei voie die direkte Entsprechung für "Weg" ist. Dem deutschen Begriff am nächsten kommt also la petite voie hiérarchique, ich fand auch den an eine Beschreibung grenzenden Ausdruck par voie hiérar­chique abrégée"(*). Franzosen würden wohl eher par voie directe sagen, auf di­rek­tem Wege. — Hier sind wir di­rekt auf dem Weg durch ein "Arbeitsamt".



(*): Abrégé bedeutet "verkürzt". Das ist mein Eintrag heute auch. Morgen mehr zum abgebildeten Einsatz und darüber, warum das Wort "Ar­beits­amt" hier in An­füh­rungs­zeichen steht.
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Handyfotonotizen: C.E.

Montag, 13. Mai 2013

Ohne Nachrichten

Hallo, Willkommen auf der Blogseite einer Dolmetscherin und Übersetzerin. Französisch ist meine zweite Arbeitssprache, Englisch meine "passive" Sprache. Hier notiere ich, was mir im Beruf und auch privat auffällt.

Heute gibt's keine Nachrichten, gar keine, und der Eintrag hier ist höchst redun­dant. Denn dieser Tage bin ich viel draußen zum Dolmetschen, da ist alles Routine und Höflichkeit, das gibt keine Nachricht ab.

Oder, wie die Gallier zu sagen pflegen: pas de nouvelles, bonnes nouvelles. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten, andersrum ist das fast eine journalistische Grundregel, leider, nur schlechte Botschaften sind Nachrichten.

Neulich fiel mir als "Entsprechnung" für die französische Redewendung in einem Untertitel das hier auf: bad news travel quick. (Dabei gibt es no news is good news auch, es ist sogar weiter verbreitet!)

Nochmal zum Mitdenken: "Keine Nachrichten (bedeutet) gute Nachrichten" sagte der französische Originalton, "schlechte Nachrichten reisen schnell" der englische Untertitel. Hier wäre diese Übersetzung wie gesagt nicht zwingend gewesen, es gibt eindeutigere Fälle, wo der Mensch, der die Untertitelung gemacht hat, keine Wahl gehabt hat, wo sich also Filmton und Untertitel in ihrem emotionalen Gehalt zu widersprechen scheinen.

Nicht-Profis in Sachen Untertitelung könnten dann sagen: Die Untertitel waren falsch. Waren sie aber nicht. Beim Untertiteln gehen wir von zweierlei aus, dass der Leser die andere Sprache eher nicht kann und dass er nur eine sehr begrenzte Zeit zum Lesen zur Verfügung hat (oder sie, na klar).

Hier bei Hitchkocks Damentrio sind die unterschiedlichen Grade der Aussagen im Vergleich zwischen Französisch und Deutsch nicht ganz so stark aus­ge­prägt, aber vorhanden: das "nur noch ..." klingt deutlich negativer, auch weil die französische Negation aus zwei Wortteilen besteht, ne und que (weshalb ich unten ein "übrig" eingefügt habe).

Zwei Screenshots ein- und derselben Szene mit unterschiedlichen Untertiteln, links: "match" (automatische Spracherkennung von "marriage")
Die höhere Tochter: "Ich hab alles erlebt ... bis auf die Ehe."
Auf Französisch: "Da bleibt nur noch die Ehe übrig."
Hübsch als kleiner Nachtrag zu gestern, was die automatische Spracherkennung aus "marriage" gemacht hat ... (siehe linker screen shot. Das ist um die Ecke gedacht ja gar nicht mal so falsch, heißt ein "Eheanbahner" auf Englisch doch matchmaker.)

Frage an die Wissenschaft: Werden sich durch die zunehmenden Sprachkenntnisse zumindest einiger wichtiger Sprachen vielleicht eines Tages die Unter­ti­te­lungs­ge­wohn­heiten verändern? Vielleicht ist es ja schon der Fall? Ich beobachte weiter.

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Foto: siehe gestern