Dienstag, 9. Februar 2016

Bonjour

... und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (ver­all­ge­mei­nert) über den Be­rufs­all­tag.

caroline@adazylla.de, derzeit am besten 
unter +49(0)172 499 8902 erreichbar!
Ich biete Ihnen:
mehr als 15 Jahre Erfahrung
bilaterales DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Medien, Wirtschaft und Handel, Luxusgüter, Bildung und Soziales, EU-Se­mi­na­re, Kino-, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, deutsch-französische Be­zie­hun­gen und Lan­des­kun­de, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur, Ur­ba­nis­mus, Li­te­ra­tur, Ge­schich­te Berlins und DDR, Afrika (Wirt­schaft/Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche (schrift­lich die stär­ke­re Sprache), z.B. Dreh­buch, Film­auf­nah­men, Webseite, Projekt, För­der­an­trag
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
— für Politiker (*), Wissenschaftler, Fir­men- und Pri­vat­kun­den, Filmmitarbeiter usw.
ZUSAMMENSTELLUNG von Kollegenteams

Ich berate persönlich per Telefon oder Mail, denn jeder Einsatz ist anders, jedes Thema besonders, kurz: Ihre Gäste und Kunden haben den besten Service verdient für das von Ihnen gezahlte Honorar, das bei uns Freiberuflern fast ausschließlich in die Arbeit fließt (da wir Marketing, Verwaltung und Management selbst machen und die Grundkosten gering halten).

Außerdem bin ich versiert in den Bereichen:

— Synchronbücher für Dokumentarfilm, Exposés (Rewriting), Untertitel, Übertitel (Theater)
— Audio­des­krip­tion für Sehbehinderte bzw. Untertitel für Hör­­geschädigt­e, Er­stel­lung und Lek­to­rat, in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin
 — Texten, Rewriting und Recherche (Themen auf Anfrage). Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an vier Büchern beteiligt.


Hier, zu welchen Inhalten ich 2014 aktiv war plus einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Réseau d'interprètes indépendants, pas d'agence ! Paris, Berlin, Französisch, Deutsch, simultan, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris, interprète de conférence et d'accompagnement, chuchotage, Drehbuchübersetzung, traduction de scénario.
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Foto: Friederike Elias

Montag, 8. Februar 2016

Verluste

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Marseille und dort, wo man mich braucht.

Was mir an meinem Beruf nicht gefällt, sind die vielen Toten. Da ich ja für sehr viele Menschen dolmetsche und schon gedolmescht habe, ist die Liste derer lang, die ich bei einer Konferenz, einem Interview oder sogar mehrtätigen Dreharbeiten vertont habe. Ein Aspekt der Spracharbeit ist die menschliche Begegnung, den an­de­ren möglicherweise im Stress zu erleben oder völlig entspannt, abgeklärt bis fröh­lich.

Ich denke jetzt, Berlinale oblige, an den fast bis zuletzt quicklebendigen und hoch­gravdig krea­ti­ven Claude Chabrol, den ich über zehn Jahre lang vertonen durf­te. Mir sitzt der Schrecken in den Gliedern, seit ich erfahren habe, dass Chan­tal Akerman nicht mehr lebt. Bei anderen Dolmetschkunden wie Nathalie Sarraute oder François Mitterrand (vor meiner Zeit als Dolmetscherin) liegt es an­ders: Das waren einzelne Begegnungen mit Menschen in bereits vorgerücktem Le­bens­al­ter, da kam der Tod nicht überraschend.

Anders bei Roger Willemsen. Anfang der Nuller Jahre haben meine Schwester Frie­de­ri­ke und ich an einem Dreh für einen Dokumentarfilmthemenabend teil­ge­nom­men. Wir fuhren mit der gläsernen S-Bahn um den gerade geschlossenen Berliner Ring, deutsche Dokumentarfilmer haben sich in Interviews zum Stand des do­ku­men­ta­ri­schen Schaffens in Deutschland geäußert. Ich gehöre verschiedenen Ver­bän­den und Vereinen an, und im Rahmen der Vereinsarbeit sind immer wieder di­ver­se Auf­­trä­­ge zu übernehmen, in denen wir uns selbst erfinden. Ich jedenfalls war für "Maske" zuständig, das erste und bislang einzige Mal.

Zwischendurch kamen wir gut ins Gespräch. Seine kluge, bedächtige und dif­fe­ren­zier­te Art fand ich später wieder, als ich bei Arbeitsessen mit französischen und deutschen Produzenten gedolmetscht habe, bei denen er zugegen war. Es ging um ein Projekt für den deutsch-französischen Kulturkanal, aus dem leider nichts wur­de. Reihen wie diese oder mit ähnlich differenzierten, zugewandten Menschen feh­len in der deutschen und französischen Medienlandschaft.

Player: Roger Willemsen
Antworten von 2009
Ich empfehle ein älteres und doch aktuelles Interview mit Willemsen zu ZEIT-Le­ser­fra­gen (und muss endlich das Buch über den Bundestag le­sen). Zum Ab­schluss ein Wil­lem­sen-Zitat: "Das Leben kön­nen wir nicht ver­län­gern, aber wir können es ver­dich­ten."

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Foto: DIE ZEIT

Sonntag, 7. Februar 2016

20-er Jahre-Mund

Ob absichtlich oder geplant, Sie lesen auf den Blogseiten einer Dolmetscherin und Übersetzerin, die in Paris, Berlin und überall dort arbeitet, wo Sie meine Dienste brauchen. Sonntags werde ich hier privat.

Das heutige Sonntagsfoto, mein Foto der Woche, kann ich leider nur erzählen. Ich kam am späteren Abend von einem Event nach Hause und saß einer entzückenden jungen Dame gegenüber, Typ Erstsemesterstudentin, mit dem allersen­sa­tio­nells­ten Schau­fens­ter­pup­pen­mund wie aus den 1920-er Jahren: Der Amorbogen in perfekter Herz­form, die Un­ter­lip­pe in der Mitte voller, leicht schmollmundig, und die Mund­win­kel bildeten kleine Grübchen. Ich schaute fasziniert auf die jungen Dame, die nicht nur mich keines Blickes würdigte, sondern auch den mitreisenden bal­zen­den Jungmännern die kalte Schulter zeigte.

Ihr Blick war einzig und alleine auf den mitgeführten Taschenterrorist alias Mo­bil­te­le­fon gerichtet. Ab und zu ver­moch­te es die kalte Technik (oder der Mensch da­hin­ter), ihr ein entzückendes Lächeln zu entreißen.
Oder las sie vielleicht gerade das Wi­ki­pe­dia­por­trait von Clara Bow?

In mir wuchsen plötzlich Muttergefühle für das hinreißende Geschöpf, das ich gerne fotografiert und interviewt hätte im Stil des Blogs "Humans of New York". Doch sie, die direktemang einem Stumm­film entsprungen schien, blickte nur auf ihren Miniaturmonitor.

Ich dachte weiter über die Münder von vor 90 Jahren nach. Oft habe ich mich ge­fragt, was die Physiognomie der Menschen innerhalb weniger Generationen so ver­än­dern kann, dass derlei in Natura heute selten geworden ist. Gut, aufgrund der koh­le­hy­dra­trei­chen Ernährung werden wir immer größer, das habe ich im Grund­stu­dium an meiner Uni in Paris jeden Tag aufs Neue erleiden dürfen, wo ich nicht alleine meine liebe Mühe hat­te, die langen Beine zwischen den Reihen der Ende des 19. Jahr­hun­derts fest­ge­schraub­ten, ge­­schnitz­­ten Holz­­bän­ke diverser Amphi­théâ­tres unterzukriegen. (Es war meine zweite Kindheit, der Alma mater habe ich ständig angestoßene Knie verdankt.)

Was ist der evolutionäre Vorsprung, damit sich ein Mund verändert, Herr Darwin? Ja, ich weißt: Die Wirkung eines Mundes hängt stark davon ab, wie er geschminkt wird. Das Schminken ist zeittypisch, die Auswahl des Modells auch, Stars werden zu allen Zeiten Menschen, die dem jeweiligen Schönheitsideal entsprechen.

Ich kam übrigens von einer Mottoparty zurück, Thema waren die Roaring Twenties. Dass diese Epoche gerade schwer in Mode ist, liegt am Abbau der Sozialsysteme, dem Bedeutungszuwachs von Ideologien, dem Einflussgewinn von Propagandisten. Ich mag diesen Sozialdarwinismus nicht und erschrecke regelmäßig, wenn ich un­se­re Epoche näher betrachte.

Wir müssen alle wach sein und uns einmischen. Meine Lieblingssendung im Hörfunk die­ses Landes ist das Läuten der Freiheitglocke, jeden Sonntag, kurz vor zwölf Uhr, und das seit 1950. Dazu ist folgender Text zu hören: "Ich glaube an die Un­an­tast­bar­keit und an die Würde jedes einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. Ich verspreche, jedem Angriff auf die Freiheit und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo auch immer sie auftreten mögen." (Da ich für den rein säkularen Staat bin, finde ich, dass die Worte "von Gott" gestrichen werden sollten.)

Das hübsche Kind hat übrigens nicht mehr von seinem Smartphone aufgeschaut. Ich habe mich nicht getraut, es anzusprechen. Ich war feige, ich hatte noch einen dicken Kopf vom Übersetzen. Das ist keine Entschuldigung, sondern eine Erklärung.

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Foto: Aus dem Film "Maytime" (1923),
The New Zealand Film Archive

Freitag, 5. Februar 2016

Mimikry

Sie lesen im ersten Blog Deutsch­lands aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Wenn ich nicht in Paris, Berlin oder sonstwo meine Stim­me verleihe, sitze ich am Übersetzerschreibtisch, bereite mich vor oder bereite die Themen nach und halte nicht nur meine Sprachkenntnisse up to date, sondern verbessere sie.

Woman's Hour / BBC4
My favourite radio (besides France Culture)
An auftragsfreien Tagen ist es ganz normal, dass zur Mittags­stunde meine spontanen sprachlichen Reaktionen auf Englisch da­her­kom­men ... Das hatte ich eben erst am Te­le­fon: Es ist Tag zwei nach einem drei­tä­gi­gen Mega-Arbeit­seinsatz und ich mache ty­pisch englische Fehler! Peinlich! Vor allem dann, wenn der Anrufende vorschlägt, die Sprache zu wechseln.

Ich täusche kurz ein wenig british english an, außerhalb des Tandem-Lernens (ein bis zwei Termine in der Woche) ist meine Leh­re­rin die gute alte BBC, wie ich schon ein Großteil meiner Kenntnisse Radio France Culture verdanke, erkläre mich, dann geht es auf Fran­zösisch weiter.

Ich bin ein Lernfreak. Alle Babies und Kinder sind Lernfreaks. Bei den meisten geht das dann in der Schule verloren. Das ist auch mir in einigen Fächern passiert. Dass wir unsere Schulen dringend moderni­sieren müssen, ist eine Binse. Lernen geht über mensch­liche Beziehungen, persönliches An­ge­sprochensein, weshalb ich dem Computer als Lehrer allein nicht so viel zutraue. Die aktuelle Debatte geht stel­len­wei­se in eine komische Richtung.

Ist erstmal eine emotionale Beziehung vorhanden, kann Technik na­tür­lich als ein weiteres Me­dium genutzt werden. Denn so ein Rechner (oder Radio) ist an sich ge­nau­so dumm oder klug wie ein Buch im Regal. Es kommt eben ganz auf die Ver­mitt­lung und die Ver­wen­dung an. That's it ... (and it's so fuckin' easy. Sendung-mit-der-Maus-Stimme: "Das war US-Englisch").
 
Für mich ist Hörfunk seit Kindertagen etwas, das mich persönlich anspricht. BBC4 sendet täglich ten o'clock UK time eine exzellente Frauensendung, Woman's hour, sowas fehlt im deutschen Hörfunk! Zumal es sich anfühlt wie gutes, altes Dampf­ra­dio, es gibt manchmal sogar Livemusik, heute war die großartige Bonnie Raitt zu hören!

Ich finde in den Sen­dun­gen immer wieder Dinge, an die ich anknüpfen kann. Heute wurde eine Schau­spielerin gefragt, wie sie ihren Beruf gelernt habe. Ihre Antwort war, dass sie als Kind ein Fan von impersonation gewesen sei, von mimikry ... Das letzte Wort kenne ich natürlich, das erste landet reingebleistiftet im Wörterbuch und wird nachher nochmal geprüft.

In mir läuten alle Glocken: Ja, genau, super Lern­methode! Als Kind habe ich immer die Lektionen der Sprachbücher nachgespielt. Ich hatte die Ton­cassetten zum Buch bestellt, mit­ge­sprochen, Intonation geübt, am Ende mit der besten Freundin im­pro­vi­siert und die Texte in allen Tonlagen ausprobiert. Das waren sehr lustige Momente.

Leider waren nicht alle Texte dazu geeignet. (Liebe Schul­buch­autoren: Bietet bitte viele spielbare Texte an in Euren Büchern, am besten noch mit viel Humor.) In der Schule hatten wir einen Technikraum mit hellen Lampen und einer Video­kamera. Wir haben dort Kishon-Texte inszeniert, gerne auch auf Englisch. Ich glau­be, so sind wir darauf gekommen. (Noch heute kann ich ganze Lehr­buch­seiten aus­wen­dig, und manche waren dermaßen blöde, dass es schon wieder gut war.)

Dabei haben wir geübt: Hör­ver­mögen, Imitieren, Selbst­kontrolle und -korrektur, Wage­mut (sich trauen ist beim Sprachenlernen die halbe Miete), Selbstironie (auch wichtig in dem Zusam­men­hang), grund­legende Lerntricks (Ver­bin­dung von Sprache mit Emotionen, Mimik, Gestik und Be­we­gung im Raum).

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Illustration: BBC4

Dienstag, 2. Februar 2016

je — ich

Hallo! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmescherin über den Beruf und wie er den Alltag verändert.

Jetzt lerne ich seit meinem 8. Lebensjahr Französisch, seit meinem 12. Lebensjahr auch die Schriftsprache.

Und erst heute merke ich, dass das Wort je, das ist das französische "Ich", auch im Deutschen vorkommt, allerdings mit einer ganz anderen Bedeutung.

Der Satz "Niemand hat sie je wiedergesehen" sieht für mich erstmal völlig falsch geschrieben aus, das vermeintlich französische je stört im deutschen Satzkontext.

Aber er ist richtig.

Das Wort je für "ich" ist auch beim Dolmetschen tricky. Ich wiederhole immer in der 1. Person Singular, was jemand in der 1. Person Singular gesagt hat. Beim Dol­met­schen einer Geflüchteten aus Syrien wird es dann: "Ich bin aus Syrien geflohen. Ich bin im Schlauchboot übers Mittelmeer gekommen, zusammen mit 56 anderen Menschen. Die Männer haben am Rand einen Ring gebildet, wir Frauen und Kinder haben innen gesessen."

Das geht alles durch mich hindurch. Nicht immer einfach. Abstand zu den Themen meiner Arbeit zu finden ist ein großes Thema.

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Foto: wird (vielleicht) nachgereicht

Montag, 1. Februar 2016

Januar, Berlinale, März, April ...

Bon­jour, hello und gu­ten Tag! Sie le­sen ei­ne Sei­te mei­nes di­gi­ta­len Ar­beits­ta­ge­buchs. Als Dolmetscherin und Übersetzerin (Schwerpunkt: Französisch) notiere ich hier Momente meines Alltags.

"Denkerei"
Denkerei in Kreuzberg
Der Januar mit sei­nen Neu­jahrs­em­pfän­gen ist vorbei. Ich war auf fünf oder sechs! Musste dringend mal wieder Marketing machen, denn in den Jahren, in denen ich mich hauptsächlich in Dol­met­scher­ka­bi­nen rum­ge­trie­ben habe, auch auf der Ber­li­na­le, war ich weniger sicht­bar, er­go ka­men da­rü­ber auch kei­ne An­schluss­auf­trä­ge mehr rein.

Denn leider wartet niemand am unteren Ende der Treppe und fragt sich nach der ihm unbekannten Dol­met­scher­in durch; wenn ich aber auf der Berlinalebühne mei­ne Performance abgelegt habe und anschließend noch mit Regisseurin und Pro­du­zent einen Wein trinken war, kam doch öfter mal ein Nachfolgeprojekt ... à propos Sprache, übersetzen Sie auch Drehbücher?

Jetzt Akkordübersetzen im Berlinale-Vorfeld. Beim Wort "Akkord" spüre ich vor al­lem den Zeitdruck, der auf Französisch nicht so stark mitschwingt. Da heißt Ak­kord­ar­beit travail à la pièce — Bezahlung nach Stückzahl (und nicht nach Zeit) oder travail à la chaîne — Fließbandarbeit, der Transportmechanismus steht im Vor­der­grund.

Dann nehme ich lieber einen anderen Begriff aus einem anderen Arbeitsbereich, traductrice urgentiste, der/die urgentiste ist der Notarzt/die Notärztin und das DRINGEND streckt ja mit drin.

Flash back zum Empfang. Meinte da neulich einer:
Mon verre est plein, je le vide. 
Mon verre est vide, je le plains.

Plein und plains (von plaindre) klingen gleich, und zwar so: [plɛ̃].

Mein Glas ist voll, ich leere es.
|Mein Glas ist leer, ich beklage sein Schicksal|.
EDIT: Mein Glas ist leer, ich beklage dies. [Siehe unter "Kommentare".]

Schönes, unübersetzbares Wortspiel. Im Falle von Untertiteln müsste man wohl komplett umdichten, aber irgendwie im Bereich alkoholischer Getränke und ge­sell­schaft­li­cher Anlässe bleiben. Ob Bazon Brock jetzt der Schlenker zu be­wusst­seins­ver­än­dern­den Substanzen gefällt? Wer diese letzte Frage nicht versteht, folge dem ergänzten Bildlink unten.

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Foto: C.E., Motiv: Denkerei

Donnerstag, 28. Januar 2016

Jack in the Box

Hallo! Hier bloggt eine Über­set­zer­in und Dol­met­scher­in aus Pa­ris, Ber­lin, Lyon oder Köln ... oder von dort, wo Sie mich brau­chen.

Notenblatt
Der Veranstaltungsleiter bittet: "Lassen Sie am Ende bitte die Über­set­zer auf den Tischen liegen!"
1. Konferenzteilnehmer (KT): "Wie bitte?"
2. KT: "Er meint die Kästchen!"
1. KT: "Wie, ist da jemand drin?"
3. KT: "Yes, Jack in the Box!"

So eine Episode ist natürlich vom Feinsten für einen Dolmetscherblog. Jack in the Box ist die kleine Figur, die einem beim Öffnen eines Schächtelchens ent­ge­gen­kommt, ein Springteufel oder auch Schachtelteufel genannt.

Dieser Blogbeitrag hat einen Sound. Diesen verdanken wir Eric Satie.


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Illustration: YouTube / Eric Satie

Dienstag, 26. Januar 2016

Komische Gegenstände

Diese Woche bekam ich wohl die letzte Neujahrspost von einem Kunden. Beigelegt war ein analoger Gimmick, ein versilbertes Lesezeichen, über das ich mich freue und das ich lieber "eine kleine Aufmerksamkeit" nenne. Der Absender nannte es ein gadget.

Flache Eiffelturmminiatur
Deutlich kleiner als ein Flaschenöffner
Gimmicks sind kostenlose Dreingaben, klei­ne Geschenke und so manches Dings­bums, das fast schon ein Scherzartikel ist. Das Wort stammt aus dem Englischen. Die Franzosen haben für solche Objekte ein anderes englisches Wort im Gebrauch, le gadget. Das englische Wort bezeichnet ein Gerät, eine technische Spielerei oder ei­nen Schnickschnack. Sowas ist handlich und wird gerne verschenkt.

In Frankreich ist ein gadget nicht zwangs­wei­se ein ausgereiftes Produkt, es kann mit einem Scherzartikel verwandt sein. Ich habe das Gefühl, dass auf Englisch der Wert des Objekts etwas stärker wahr­ge­nom­men wird; so kann ein Smartphone durchaus the gadget genannt werden.

Mein Kunde ist übrigens Amerikaner und Franzose zugleich. In der Kreuzberger Oh­lau­er Straße habe ich für sowas mal das schöne Wort Pinökel gelernt, so hieß dort mal ein Laden für Gimmicks, Gadgets oder eben Pinökels. Der Begriff stammt aus Ostwestfalen und Norddeutschland, Pinökels dürfen gerne klein und ansteckbar oder nadelähnlich sein, das Wort the pin steckt schon drin.

Wo ich gerade mal bei den komischen Benamsungen seltener Objekte bin: In mei­ner Familie tragen zerbrechliche unidentified non-flying objets (UNFOs), genauer: allerlei Glastuben, Porzellandingselchen und Reagenzgefäße, den unvergleichlich schönen Namen "Emilapparat". Das kommt von dem Vorfahren, der eigentlich die Chemiefaser hätte erfinden sollen, sich dann aber blöderweise im Ersten Weltkrieg totschießen ließ.

Im alten Familienhaus wird aus dem Chemielabor im Keller ab und zu so ein [Jo­ker­wort Ihres Wunsches einsetzen] an die Oberfläche bzw. die oberen Geschosse hochgespült. Und der Reichtum der Sippe, den ein gewisser nach einer heute ver­ges­sen­en Stoffart so apostrophierte Marquis Bombassin einstmals begründet hatte, wurde durch das Textile im 20. Jahrhundert nicht vergrößert. Aber das ist eine an­de­re Geschichte.

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Foto: