Dienstag, 1. September 2015

Bonjour

... und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (ver­all­ge­mei­nert) über den Be­rufs­all­tag.

Caroline Elias, +49(0)172 499 8902
Derzeit am besten mobil erreichbar!
Ich biete an:
— bilaterales DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Medien, Wirtschaft und Handel, Luxusgüter, Bildung und Soziales, EU-Se­mi­na­re, Kino-, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, deutsch-französische Be­zie­hun­gen und Lan­des­kun­de, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur und Ur­ba­nis­mus, Li­te­ra­tur, Ge­schich­te Berlins und der DDR, Afrika (Wirt­schaft und Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche (schrift­lich die stär­ke­re Sprache), z.B. Dreh­buch, Film­auf­nah­men, Webseite, Projekt, För­der­an­trag
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
— für Politiker (*), Wissenschaftler, Fir­men- und Pri­vat­kun­den, Filmmitarbeiter usw.
ZUSAMMENSTELLUNG von Kollegenteams

Ich berate persönlich per Telefon oder Mail, denn jede Anfrage ist anders, jedes Thema besonders, kurz: Ihre Gäste und Kunden haben den besten Service verdient für das von Ihnen gezahlte Honorar, das bei uns Freiberuflern fast ausschließlich in die Arbeit fließt (da wir Marketing, Verwaltung und Management selbst machen und die Grundkosten gering halten).

Außerdem bin ich versiert in den Bereichen:

— Synchronbücher für Dokumentarfilm, Exposés (Rewriting), Untertitel, Übertitel (Theater)
— Audio­des­krip­tion für Sehbehinderte bzw. Untertitel für Hör­­geschädigt­e, Er­stel­lung und Lek­to­rat, in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin
 — Texten, Rewriting und Recherche (Themen auf Anfrage). Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an vier Büchern beteiligt.


Hier, zu welchen Inhalten ich 2014 aktiv war plus einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Réseau d'interprètes indépendants, pas d'agence ! Paris, Berlin, Französisch, Deutsch, simultan, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris, interprète de conférence et d'accompagnement, chuchotage, Drehbuchübersetzung, traduction de scénario.
(*) und selbstverständlich jeweils auch die -innen!
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Foto: Friederike Elias

Der Erste

Hallo! Seit Fe­bru­ar 2007 blog­ge ich hier aus der Dol­met­scher­ka­bi­ne und vom Über­set­zer­schreib­tisch meine kleinen Beobachtungen aus der Welt der Sprachen. Und jetzt ergeht's mir wie allen Verkäufern von Saisonartikeln und Ho­sen­schnei­dern: Die Themen wiederholen sich mit den Jahreszeiten. (Der Beweis der Redundanz: 2010, 2011, 2012, 2013.)

Heute rasch zweierlei: Während ich mich weiter ins Thema Bodengesundheit ver­gra­be und dem Weg der Nährstoffe durch die Krume folge, reden schon alle vom Herbst, und an den Supermarktkassen stehen die Schokonikoläuse neben den Weih­nachts­stol­len stramm. Eine leichte Sommernostalgie durchwehte schon meinen gestrigen Bei­trag. Prompt bekam ich eine Antwort.

Denn heute ist der erste Herbstanfang, aber nur für diejenigen, die das wirklich wollen, für alle anderen ist Spätsommer. Nämlich: "Heute ist keineswegs Herbst­an­fang; das Äquinoktium fällt in diesem Jahr auf den 23. September, dann erst be­ginnt der Herbst. Der sogenannte meteorologische Herbstanfang am 1. Sep­tem­ber dient lediglich dazu, statistische Auswertungen zu erleichtern und wäre dank EDV eigentlich gar nicht mehr erforderlich."

Das musste mal gesagt sein. Danke! Ich genieße also den Sommer bis zum zweiten Herbstanfang.

Auch in Frankreich hat sich von gestern zu heute alles verändert und ist trotz­dem alles gleich geblieben. Gestern do­mi­nier­te noch bräsige Au­gust­ver­schla­fen­heit das Land, heute beginnt in Frankreich, tataaaa, nein, nicht der Herbst, naja, unter Statistikern vielleicht auch, dafür aber die neue "Saison". Der 1.9. ist so etwas wie der 1. Januar, naja, gefühlt, denn er ist der Anfang von der Wiederaufnahme des schu­li­schen, akademischen und ge­sell­schaft­li­chen Lebens, la rentrée genannt. (Viele Kalender, nicht nur die von Schülern und Studenten, gehen vom Herbst bis zum Sommer.)
Kind mit Tornister, Brotbeutel und Zuckertüte aus den 1920er Jahren
Ernst des Lebens in Sicht

Prompt bekommen viele Sender neue Pro­gramm­sche­ma­ta, Schüler eilen wieder zu den Stätten ihrer Bildung, die hoch­ge­klapp­ten Bürgersteige werden wieder auf Nor­mal­ni­veau gebracht. Das ist wirklich eine echte Besonderheit französischen Lebens und lustig, dass es sich seit Jahrzehnte exakt so abspielt.
Was den Franzosen ihre rentrée, ist den Deutschen ihre Zuckertüte. Zum ersten Schultag gibt's diese Teile auch schon seit vielen Generationen, allerdings nur in Deutsch­land und im deutschsprachigen Aus­land. Die Franzosen kennen das das ko­ni­sche Einschulungsmöbel dafür über­haupt nicht.

Die Änderungen finden woanders statt. Die junge Erstklässlerin aus den 1920er Jahren trägt zudem einen Lederranzen, der bis in die frühen 1970er Jahre so aus­ge­se­hen hat. Meine Oma nannte das Teil "Tornister". So hießen die gerundeten Ledertaschen zum Auf-dem-Rücken-Tragen der Soldaten im 1. Weltkrieg auch schon. Hierzu passt das Wort "Klas­sen­ka­me­rad". Heute auch unbekannt, es heißt Schulfreundin oder Schul­freund.

Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Mappen aus Plastik Schulranzen aus ei­nem recyclingfähigen, umweltschonenden High-Tech-Textil Platz machen, denn ihre Haltbarkeit ist von gewollt kurzer Dauer. Kaum vorzustellen, dass wir damals mit zwei Ranzen unsere ganze Schullaufbahn bestreiten konnten, mit dem kleinen "Tornister", der sogar oft übernommen worden war von einem anderen Kind, für die ersten Jahre, und einem hochwertigen Lederranzen für danach. Letztere ha­ben nur einen Malus: Sie sind schwer.

Bis dahin üben wir Äquinotikum sagen, ein seltenes Wort, eigentlich nur zwei Mal im Jahr in Gebrauch, aber sicher etwas, womit sich auch auf Spätsommerparties punkten lässt. Und l'équinoxe spricht sich irgendwie leichter aus.


Vokabelnotiz:
la rentrée littéraire — der Bücherherbst
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Foto: Privatarchiv

Montag, 31. August 2015

Tierisch aktiv

Hallo! Sie lesen hier im Arbeitstagebuch einer Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache, die in Paris, derzeit Berlin, Marseille oder München in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Bil­dung tätig ist. Im Herbst sind noch etliche Termine frei. Wie Sie mich erreichen können, steht rechts.

Vogel in Gummibaum als Schattenriss
Suchbild mit Piepmatz
Wenn man schon vor dem Fertigaufstehen an einer Übersetzung arbeitet und zum zweiten Mal "Strickstoff" statt "Stickstoff" tippt, könnte es sein, dass sich der Som­mer dem Ende zuneigt und einem einfach nur die Füße kalt sind.

Der Berliner Sommer geht schon seit dem 7. August zu Ende. An diesem Tag sind die Mau­er­seg­ler in den Süden geflogen. In­te­res­san­ter­wei­se haben wir aber noch am 15. in Schwerin, also viel weiter nördlich, Mauersegler gehört. Offenbar herrscht dort ein besonders mildes Klima vor. Und wie ich gerade über Piepmätze nach­den­ke, landet ein Spatz in meiner Pfle­­ge­­pflan­­ze auf der Küchenfensterbank.

Ich sitze gerade an einer Textkorrektur. Der Vogel schaut mir lange zu. Mit lang­sa­men Bewegungen stelle ich ihm ein Schälchen mit Wasser hin, er bleibt dabei reg­los sitzen, trinkt, als ich wieder an meinem Platz bin, badet dann in aller See­len­ru­he und schaut mir weiter bei der Arbeit zu. Nach über einer Stunde fliegt er auf die Therme, die auf der gegenüberliegenden Wand oben unter der Zim­mer­decke hängt und verlässt zielgerichtet die Küche durch das obere Fenster, das weit offen steht.

Mir fliegt manchmal etwas zu. So, das nächste Wortfeld beackern, und zwar im wahrsten Wortsinn, geht es doch weiter um Bodengesundheit. Und langweilig wird es mir dabei auch nicht, hier herrscht großes Getümmel: Da gibt es Re­gen­wür­mer, Algen, Springschwänze, kleine Ringelwürmer, Nematoden, Blattläuse, Zi­ka­den, Thripse, Schlupfwespen, Florfliegen, Schwebfliegenlarven, Marienkäfer, räu­be­ri­sche Wanzen, Spinnen und Tausendfüßler ...

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Foto: C.E.

Mittwoch, 26. August 2015

Upcycling

Hallo! Sie haben ein digitales Logbuch aus der Welt der Sprachen an­ge­steu­ert. Hier schreibe ich über meinen Berufsalltag als Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache ... und darüber, was mir am Wegesrand auffällt.

Fahrt zur Post, weil der Paketdienst wieder einmal eine Benachrichtigung in den Postkasten im Erdgeschoss eingeworfen hat, anstatt mir einige Sekunden zum Re­agie­ren zu geben. (Ich bin nicht sicher, ob er überhaupt geklingelt hat.) Auf der Rückfahrt radle ich an alten Balkontüren vorbei, die vor einem Haus ste­hen. Mir tut immer leid, wie alte Formen und Architekturdetails bei To­tal­sa­nie­run­gen ver­schwin­den (und finde es Wahnsinn, dass die hermetisch in Plastik ein­ge­hüll­ten Räu­me dann anschließend unter Verwendung einer elek­tro­nisch be­trie­ben­en An­la­ge wieder "belüftet" werden müssen.)

Nur ein "Karree" weiter, the block nennen das die Amerikaner, komme ich an einer Ladenwerkstatt vorbei, in der Upcycling stattfindet. Und, oh Wunder, ich treffe auf einen alten Bekannten aus der französischsprachigen Schweiz, François, der sich rasch der ausgesetzten Fenstertüren annimmt, während ich seinen Laden hüte, dann trinken wir einen Kaffee türkisch und sprechen dabei Französisch. (Türkischer Kaffee: ohne Filter aufgebrüht, das Kaffeemehl muss décanter, wie Monsieur sich ausdrückt).

Etliche seiner Objekte gefallen mir so gut, dass ich mir gleich Anregungen hole. François wird beim Umbau meiner Garderobe eine wichtige Rolle spielen. Dann geht es weiter: Eine Schicht Farbe für einen Nachttisch in der Werkstatt, bei mir ist ein Kos­ten­vor­an­schlag zu einer Fachterminologie dran, es geht um Bo­den­ge­sund­heit, mehr darf ich nicht verraten.

Ich bin mal gespannt, was François aus den Balkontüren machen wird.

Von der Straße in die Werkstatt

Hier seine Webseite fürs Upcycling, Kunst-Nutz-Objekte aus dem Nichts: www.upcycling.mobi
François ist auch Dokumentarfilmer, hier die andere Webseite: www.belle-journee.com

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Fotos: C.E.

Dienstag, 25. August 2015

Kaltblütig

Will­kom­men auf den Blog­sei­ten ei­ner Sprach­ar­bei­ter­in. Hier notiere ich Dinge aus dem Alltag von uns Kon­fe­renz­dol­met­schern und Über­setzern. Und ich denke über die Sprachen nach.

Gestern Abend berichtet der Deutschlandfunk: François Hollande hat die beiden Ame­ri­ka­ner und den Briten zu Rittern der Ehrenlegion geschlagen, die neulich im Thalys von Amsterdam nach Paris einen vermeintlichen Attentäter unschädlich ge­macht haben. Der Reporter berichtet, der französische Präsident habe sie ge­wür­digt, denn "sie hätten mit ihrem mutigem und kaltblütigen Eingreifen ein Blutbad verhindert." In französischen Agenturen finde ich, was ich vermutet habe, mit sang-froid ist hier nicht "kaltblütig", sondern "beherrscht", "mit kühlem Kopf" (statt mit kaltem Blut) gemeint. Der Begriff reiht sich ein in die Liste der faux amis, der fremden Freunde". Nicht die zufällig Mitreisenden waren kaltblütig, der Attentäter wäre möglicherweise kaltblütig zur Tat geschritten.

Liebe Medienvertreter von ARD und ZDF und den angeschlossenen Sendern! Dem Vernehmen nach sammelt ihr bis Ende 2016 ein Plus von einer Milliarde Euro an. Es wäre schön, wenn Ihr Euch dazu entscheiden könntet, voll bezahlte Profis ein­zu­set­zen, auch für redaktionelle Abnahme, ggf. Nachfrage bei Profis und für das Ver­dol­met­schen von Ministerinterviews zum Beispiel, für Hintergrundrecherchen und Sprach­coa­ching bei Aufnahmen ... sowie in der Dokumentarfilmarbeit! Hier fehlt nämlich eine faire Bezahlung. Wäret Ihr ein Kaffeehersteller, ein Label für Fair­Trade würdet Ihr nicht bekommen.

Kaltblüter
Die Betroffenen sehen das Ganze übrigens alles andere als "mit kühlem Kopf". Daher braucht Ihr Euch nicht zu wun­dern, wenn Menschen wie der Regisseur, für den ich neu­lich gearbeitet habe, gar kein TV-Gerät mehr besitzen. Er hat neulich darüber nach­ge­dacht, seine Rund­funk­ab­ga­be als Bar­zahl­ung gro­schen­wei­se leisten zu wollen. Sind Zehn-Cent-Stücke eigentlich noch Groschen?
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Foto: Percheron-Pferd (Wikicommons)

Montag, 24. August 2015

Auf dem Schreibtisch XXIII

Guten Tag! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch rein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Brüssel und gerne dort, wo Sie mich brauchen! Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Die Sommerpause, die nur zum Teil eine war, nähert sich dem Ende. Auch in den letzten Wochen waren wir für Sie da — und mich hat es wiederholt in die Flücht­lings­hil­fe verschlagen. Dort bleibe ich mit einem Spielbein. Weitere Anfragen für ehrenamtliche Einsätze liegen vor, allerdings für zehn Tage in der Woche. Das ist und bleibt eine unausgewogene Lage.

Vokabellernschreibtisch
Denn ich muss mich auch wieder den honorierten Einsätzen zuwenden. Dabei geht es um
  • Wirtschaftslage in Europa und in Frank­reich
  • Solidarische Wirtschaft
  • Klimawandel
  • Allgemeine Politik.
Das sieht überschaubar aus, fühlt sich aber an wie die ersten Heftzeiten der Zeitung.

Zwischendurch Terminabfragen, Kos­ten­vor­an­schläge, Reiseplanungen und Buch­hal­tung. Auch etwas Kollegenpalaver ist sehr wichtig, es lockert das Hirn!

Einer, dessen Muttersprache Englisch ist, meinte, er habe 48 Jahre gebraucht, bis er das, was er auf dem Schulhof des Gymnasiums in Garmisch-Partenkirchen als "Des iss Aschmann" gehört hat, als "Des iss a Schmarrn!" identifizieren konnte.

Bei mir ging's einmal ein kleines bisschen schneller. 

Freiluftschreibtisch (nicht meiner)
Ich erinnere mich noch ge­nau, wie ich mich in Paris mitten in der Prüfung zur Wirt­schafts­über­set­zer­in kaum noch eingekriegt habe, weil ich kapiert hatte, dass "an­schnau­zen" und engueuler quel­qu'un der gleiche Ge­dan­ke zugrunde liegt, das Maul (Mund eines Tieres). Da war der Groschen im­mer­hin bin­nen eines knappen Jahr­zehnts ge­fal­len.  

Auf die anderen Erleuchtungen warte ich noch. So, schnell weiterlernen.

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Fotos: C.E. (Archiv)

Sonntag, 23. August 2015

Wochenende im Kiez

Bonjour und guten Tag! Interessieren Sie sich für Dolmetschen und Über­set­zen? Dann sind Sie hier auf meinen digitalen Tagebuchseiten richtig. Sonntags werde ich privat, da haben meine Einträge nicht unbedingt mit Sprachen zu tun.

Das Wochenende dient dem Abschalten. Kein Problem bei schönstem Som­mer­wet­ter: Freiluftkino, Museumsgeburtstag, Gartenarbeit (mit Freude am Kompost) und ein Begrüßungspicknick mit lieben Nachbarinnen gehören dazu.


Dass wir ehrenamtliche Dolmetscher in der Flüchtlingshilfe anderen Menschen Wörter und Zeit schen­ken, ist schwierig in Bildern darzustellen. Einfacher geht es durch das Spielzeug, das meine kleinen Nachbarn und ich für Flüchtlingskinder sammeln. Mein Dank geht an Gretchen, Romy, Louis und an einige unbekannte Spender.

Eine gute Idee für solche Aktionen ist übrigens, kurz vor Flohmarktende über den­sel­ben zu gehen und nach dem Preis für ein oder zwei Tiere zu fragen, dann zu sagen, was der Grund der Nachfrage ist ... Kurz: Die meisten Stofftiere kamen aus dem Keller, der hinterletzten Kinderzimmerecke oder sogar vom Flohmarkt als Geschenk!


Schön, dass diese Kinder einen Sinn für Solidarität haben... Das Ge­rech­tig­keits­ge­fühl scheint bei jungen Menschen noch sehr gut ausgeprägt zu sein. Wann es genau verschwindet, müssen wir einen Entwicklungspsychologen (oder eine ~in) fragen. So jedenfalls das Abendpalaver unter Dolmetscherinnen zwischen Hamburg und Ber­lin, ausgehend von Einsatzplanungen und Literaturtipps. Ist das Buch des fran­zö­si­schen Molekulargenetikers und buddhistischen Mönchs Matthieu Ricard über Altruismus und unsere modernen Gesellschaften eigentlich schon ins Deutsche über­setzt worden?

So, zum Kontrast dazu darf ich ab morgen früh wieder Wirtschaft pauken. Und da­mit das Gehirn eine Nacht länger zum Fixieren hat, nehme ich mir am Abend noch eine Stunde lang bereits bekannte, spannende Texte vor, steigere durchs Über­flie­gen alter Vokabellisten die Freude des Wiedererkennens, und schlage noch einen thematischen Pflock ins thematische Neuland.

Und dann geht's noch ab mit dem Bestiarium an die Wäscheleine.

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Fotos: C.E.

Samstag, 22. August 2015

Lachen ist wichtig!

Hallo! Hier bloggt eine Sprach­mit­tler­in für Po­li­tik, Wirt­schaft und Kultur. Ge­ra­de ha­be ich mit der Flücht­lings­the­matik viel zu tun. Samstag folgt hier (derzeit nur ab und zu) mein Lieblink der Woche.

Nach den Dramen der letzten Tage schickt mir eine Freundin folgenden Filmlink. Hier ist deutlich zu erkennen, wie schwierig es ist, mit Dolmetschern zu drehen. Beispiel von einem dreisprachigen Filmdreh. Der Pferdeflüsterer hat leider gefehlt.



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Film: YouTube

Freitag, 21. August 2015

Urlaubsjob

Bien­ve­nue, herz­lich will­kom­men! Sie le­sen hier im Blog einer Dol­met­scher­in und Übersetzerin für die französische Sprache, die für Politik, Wirtschaft, Kultur und Bil­dung tätig ist. Manchmal aber auch dort, wo einfach nur Not am Mann (oder der Frau) ist. 

Heute habe ich von einer neu­en Variante meines Dolmetscharbeitsplatzes zu be­rich­ten, der Putzmittelkammer.

Kleine Wüstenprinzessin
Hier stehen drei un­ter­schied­li­che Stühle, dem einen fehlt eine Armlehne, dem anderen das Rückenteil, der dritte ist einfach nur hässlich. Hinter uns der Vorrat an Putzmitteln in milchigen Kanistern und ein kleines Fenster. Neben mir stehen Schrubber.
Die Registrierung der Flücht­linge und die erste Ver­sor­gung fände in Berlin auf einem Ni­veau statt, das zum Teil nicht einmal Dritte-Welt-Ländern entspricht, raunt mir ein sichtlich schockierter jun­ger Arzt zu.

Dort gebe es wenigstens nach westlichen Standards gepackte Sets und Zelte mit der nötigen Grundausstattung. — Hier ist alles zusammengestückelt, gespendet. Denn seit Wochen überlässt das Land Berlin es Freiwilligen, sich im Vorfeld der Re­gist­rier­ung um hunderte oft in der prallen Sonne wartende Menschen zu küm­mern. Es fehlt an allem: Sonnenschutz, Lebensmittel, ausreichend Wasser, Kin­der­be­treu­ung und eben auch medizinische Hilfe. Ehrenamtliche springen ein.

Die unter dem Slogan "Moabit hilft!" engagierten Bürger sichern die humanitäre Grundversorgung ab, die eigentlich der Staat leisten müsste. Nach ersten spon­tan­en Wasserspenden und Tagen, an denen sich der Einsatz für die Beteiligten oft wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein angefühlt hat, sind nach und nach die Caritas, die Johanniter und auch die Dia­ko­nie erwacht. (Die Reihenfolge ist hier völlig willkürlich, kann sein, dass auch schon mal jemand der Genannten zwi­schen­durch vor Ort war. Das Gros der Aktionen, die Spendenaufrufe und auch die me­dia­le Verbreitung der Hilfegesuche geht auf jeden Fall auf Anrainer und von diesen Alarmierte zurück.)

Ich spreche über die zentrale Verwaltungsstelle, das Landesamt für Gesundheit und Soziales, LaGeSo. Ehrenamtlich arbeiten hier und im Bereich der Kirchen, der Obdachlosenanlaufstellen, Migranten- und Mütter-Kind-Vereine Ärzte, Psychologen und Sprach­kun­dige, darunter auch Dolmetscher. So kam ich zu meinen ersten Ein­sätzen, unter anderem am oben beschriebenen Ort. Wenn heute Abend 18.00 Uhr das LaGeSo schließt, wird den verbleibenden Männern, Frauen und Familien hof­fent­lich ein Bett in einer Unterkunft angeboten werden. Ich habe mit Leuten gesprochen, die einige Nächte lang im Tiergarten kampiert haben.

Gentleman of the South
Einmal bekam eine Frau einen Weinkrampf und war nicht mehr zu beruhigen. Für die Übersetzung des Psy­cho­lo­gengesprächs war zunächst eine 17-jährige Gymnasiastin aus Baden-Württemberg im Gespräch, die in den großen Ferien Freunde in Berlin be­sucht und sich spontan en­ga­giert hat. Die Hin­ter­grün­de für den Zu­sam­men­bruch der Flücht­lings­frau sind er­schüt­ternd.

Ich kann und will hier nicht mehr schreiben.

Eine andere Patientin stammte aus Zentralafrika, musste als Kind die Ermordung der eigenen Familie miterleben, wurde dann gezwungen, als Kindersoldatin zu kämpfen, ging später als Haushaltshilfe nach Syrien, wurde dort weiter aus­ge­beu­tet und missbraucht. (Der Einsatz liegt schon länger zurück, hier kann ich of­fen­bar zusammenfassen.)

Natürlich habe ich nicht nur mehr Vokabular, sondern auch mehr professionelle Dis­tanz zu dem, was ich übertrage, als es die junge Schwäbin gehabt hätte. In der Nacht danach habe ich trotzdem bis vier Uhr morgens nicht geschlafen. In nor­ma­len Fällen bekommen wir nach solchen Einsätzen Supervision angeboten, Helfer ris­kieren Sekundärtraumatisierungen. Hier gibt es stattdessen als einzigen Lohn das nicht unbedeutende Gefühl, wenigstens etwas geholfen zu haben. Für das Geld, für das ich sonst länger in den Urlaub gefahren wäre, bringe ich Windeln und Babygläschen mit (und spende für andere Stellen).

Wie desolat Berlin ist, zeigt sich hier (und am Flughafenbau). Die Hütte brennt. Wir rennen hin und helfen mit einer Menschenkette, die kleine Wassereimer zum Brand­herd befördert. Wir leben in einer modernen Gesellschaft, die Löschzüge ste­hen bereit. Der Staat sind wir. Wir haben Regierungsvertreter gewählt und Men­schen zur Verwaltung delegiert, die wir täglich bezahlen, die ihre Arbeit offenbar nicht ausreichend getan haben. Unter den Helfern schwillt der Groll.

Bald endet die Urlaubs- und Feriensaison. Auch wir Freiberufler müssen dann wie­der an den Umsatz denken. Nicht vorzustellen, was passiert, wenn bis dahin die Verwaltung nicht aus dem Knick gekommen sein sollte.


Hier der 1. Teil meiner kleinen Reihe zum Thema, Das rosa Kaninchen.
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Danke an Reinhard Ahrens für die Fotos
und Dein Engagement!