Montag, 28. Juli 2014

Bonjour

... und willkommen! Hier finden Sie (ohne Nennung von Betriebsgeheimnissen) kleine Ein­­blicke in mei­nen All­­tag — und können mehr über Sprachberufe erfahren.

Ich biete an:
C. Elias, +49 (0) 172 499 8902
— bilaterales DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Soziales, Wirtschaft, Luxusgüter, Medien, Kino, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, Aus- und Fortbildung, deutsch-französische Be­zie­hun­gen und Landeskunde, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur und Ur­ba­nis­mus, Literatur, Ge­schich­te Berlins und der DDR, Afrika (Wirt­schaft und Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche, z.B. Dreh­buch, Förderantrag, Katalog, Korrespondenz
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
— für Politiker (*), Wissenschaftler, Fir­men- und Pri­vat­kun­den, Filmmitarbeiter usw.

und andere zielgerichtete Kommunikation mit interkulturellem Bezug:

— Untertitel, Übertitel (Theater), Schreiben von Sprecherkabinentexten
— Erstellen und Lektorat von Audio­des­krip­tion­en sowie von Untertiteln für Hör­­geschädigte (in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin)
 — Texten, Rewriting und Recherche auf Anfrage. Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an drei Büchern beteiligt.


Hier, zu welchen Inhalten ich 2013 aktiv war plus einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Auch unter caroline[at]adazylla.de können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Interprète indépenante, pas d'agence  ! Berlin, Französisch, Deutsch, Simultandolmetschen, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, Beratung, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris. 
(*) und selbstverständlich jeweils auch die -innen!
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Foto: Friederike Elias

Denkpause

Hallo, hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Von Berufs wegen denke ich über Sprache nach.

Im Hochsommer geträumt: Das Wort "Schneebel". Das gibt zu denken.

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Foto folgt. Vielleicht.

Samstag, 26. Juli 2014

Weiße und bunte Mahlzeit

Bonjour auf den Seiten des Logbuchs einer Sprachmittlerin für die französische Sprache. Hier denke ich über meinen Berufsalltag nach, der mich zwischen den Orten der Politik, Kultur und des gesellschaftlichen Lebens manchmal ganz schön auf Trab hält.

Wildkräutersalat vom Maybachufermarkt: Giersch, Melde, Löwenzahn, Knoblauchrauke, Kerbel, Barbarakraut, Gundelrebe, diverse Blüten und viel mehr, 2,50 Euro je 100 gr., regional und ökologisch
Mein Lieblingssalat vom Maybachufermarkt
Das Internet bringt soziale Events mit sich, die wir uns früher nicht hätten aus­den­ken können. Nehmen wir zum Beispiel den Flashmob (mo­bi­li­sa­tion éclair). Spontan ver­ab­re­det, treffen sich Men­schen, um auf dem Al­ex­an­der­platz wie Tote auf dem Pflaster zu liegen oder einem Uniseminare zu folgen ... oder aber Un­be­kannte tref­fen einander zum Essen.

Die Sache geschieht als Protest gegen Krieg und Sparpolitik, oder aber aus Spaß. Die Sache ist ein Hype, seit es Internet gibt. Eine innere Stimme meldet Protest an. Denke an 1968! OK, übergeredet, wie der weltbeste Patensohn früher gesagt hat, früher hieß sowas sit in oder teach in und der Spaßfaktor war damals auch wichtig. Aber ein spontanes Dinner in Weiß, wie ich es vor Jahren in Paris erlebt habe, ging doch irgendwie nicht vor Zeiten des World Wide Web, oder? Sicher nicht in dem Ausmaß.

Lauter weiß gekleidete Menschen treffen sich spontan mit Tisch, Stuhl, Ver­zehr­ba­rem und nicht nur Weißwein, Tischdecke und, warum nicht, der weißen Stoff­ser­viet­te. Die Szene findet zunächst in Paris statt. Die Idee ist ähnlich wie die Fête de la musique ein französischer Ex­port­schla­ger, inzwischen wird ihr aux quatre coins du monde gehuldigt, in allen Ecken der Welt: 2013 wurde in 40 Städten an pro­mi­nen­ten Orten stilvoll gespeist und der Sommer (oder der warme Herbstabend) ge­fei­ert. Livemusik, Serviettenschwenken und Wunderkerzen (cierges scintillants) scheinen auch Pflichtteil des Programms zu sein.

Die spontane Besinnung auf Stil und Tradition ist perfekt vernetzt und wird von Profis logistisch koordiniert, was ich diesem Film entnommen habe. Auf das Berliner Event wird von offizieller Seite nicht hingewiesen.



Das diner en blanc, fand vor einigen Wochen bereits zum 3. Mal in Berlin statt. Der Film stammt von der hiesigen Premiere des Events. Ich habe es leider verpasst, bin dafür wohl noch nicht in den richtigen Kreisen. Statt­des­sen wurde ich zu einem Themenessen eingeladen: "Der bunte Festtagsbra­ten". Es gab Kaviar, dann eine Spi­nat­cre­me­sup­pe, gefolgt von zartem weißem Kö­nigs­lachs mit goldgelb ge­sot­ten­en Tel­to­wer Rübchen, rote Beete sowie blauen Kar­tof­feln aus Frankreich, auch Trüf­fel­kar­tof­feln genannt. Der Zwischengang bestand aus Wildkräutersalat mit ess­ba­ren Blüten, dann folgte irgendein totes Tier mit But­ter­möhr­chen und grünen Bohnen. Zum Dessert gab es Heidelbeeren und belgisches Bit­ter­scho­ko­la­de­sor­bet (also ohne Sahne).

So bunt und vielfältig wie das Essen waren die Gäste. Die Sache war allerdings kein Flashmob, sondern folgte dem Prinzip: Kein Beruf und keine Nationalität durfte zwei Mal vertreten sein. Das ging übrigens gründlich schief, denn der Gastgeber, ein Dolmetschkunde, den ich vor einiger Zeit ver­hei­ra­ten ge­hol­fen hatte, war der festen Überzeugung, dass ich Französin sei. Fotos gibt's keine vom Abend. Es war Prominenz zugegen, Knipserei war nicht er­wünscht.

Der Fehler auf der Gästeliste, der ich meine Anwesenheit verdankte, wäre mit etwas In­ter­net­re­cherche vermeidbar gewesen. Ohne Internet auch kein weißes Diner, war ich überzeugt. Aber ach, mein Gedanke stimmt nicht: Das diner en blanc fand dieses Jahr in Paris zum 26. Mal statt.

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Film: YouTube, Foto: C.E.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Teleprompter vs. historische Stätte

Bonjour und guten Tag! Hier lesen Sie Notizen aus dem Berufsalltag einer Über­setzerin und Dolmetscherin beim ersten Blog Deutschlands, das im Inneren einer Dolmetscherkabine entsteht.

Vier Berufe auf einem Bild
Der Redner auf dem Monitor hat so ein durchsichtiges Dingens vor dem Gesicht, auf dem vermutlich der Text an­ge­zeigt wird. Beim Fern­se­hen nennt sich sowas "Te­le­promp­ter".
Es führt dazu, dass der Mann, der heute die in­ter­na­tio­na­le Presse informiert, schnel­ler spricht, als wenn er frei reden würde. Es geht um neue Traktorentechnik.

Im Fenster vor uns können wir den Kellnern zuschauen, die die Reste vom Empfang wegräumen. Sie hatten von hier aus die illustre Gesellschaft mit Häppchen und Ge­trän­ken versorgt. Wir befinden uns im Herzen Berlins in einem palastartigen Ge­bäu­de. Die Herren vom Service (eine Dame kann ich nicht sehen) geben sich alle er­denk­li­che Mühe, das Abräumen leise zu gestalten. So ganz klappt es leider nicht.

Die umgebende Geräuschkulisse ist aber gar nicht schlimm. So richtig können wir das Geklapper und Tischerücken gar nicht wahrnehmen. Fünf Kabinen stehen in ein- und derselben Reihe in einem großen, schmucklosen Raum, Wand an Wand mit dem großen Marmorsaal, aus dem die Veranstaltung übertragen wird. Was wir am besten hören können, sind, nach den Rednerstimmen im Kopfhörer natürlich, die Dolmetscherkollegen der Nachbarkabinen. Das ist den Arbeitsbehausungen zu­zu­schrei­ben, die recht betagt anmuten.

Diverse Berufsverbände der Sprachmittlergilde haben über Jahrzehnte dafür ge­kämpft, dass unsere Kabinen gewisse Standards an Komfort und Schallisolierung auf­wei­sen. Ihre Arbeit war ebenso richtig wie wichtig. Nach aktivem Pro­be­be­woh­nen dieser historischen Hütten wissen wir das jedenfalls. Vielen Dank, li­ebe Vor­müt­ter und -väter!

Am Ende steht unser chef de cabine vor uns, ein älterer, renommierter Herr, und mein­t grinsend mit Blick auf die temporären Arbeitsstätten: "Die sind aus dem Ausland her­beige­schafft worden. Hier in Berlin könnte man sowas als Kunst­in­stal­la­tion ver­kaufen." Und er beschloss mit einem: "Ist das Kunst, oder kann das weg?"


Vokabelnotiz
Der Dolmetscherberuf ist in Sachen Stress mit dem von Piloten vergleichbar. Kein Wunder, dass auch bei uns der Boss chef de cabine heißt.
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Foto: C.E.

Dienstag, 22. Juli 2014

Museum der Wörter 7

Hallo, hier bloggt eine Spracharbeiterin. Ab und zu erinnere ich an Begriffe, die wir den jüngeren Generationen erklären müssen. Aus aktuellem Anlass gehen wir ins Lebensmittelgeschäft.
            
          K
olonialwarenladen, Gurkenfass, Muckefuck.

   

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Idee: H.F.

Montag, 21. Juli 2014

Serendipity

Hello, bonjour, guten Tag ... hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin.  

Heute trifft in meinem Büro eine ganze Armee Weihnachtsmänner auf eine Bat­te­rie Mähdrescher, in den Eiskristallen spiegelt sich das erntereife Korn und die Schneemänner messen sich in der Größe mit Rotoren und Gummikettenreifen.

Das ist diese Art merkwürdiger Zufälle, wie sie in den Arbeitszimmern von Über­setzern und Dolmetschern auftreten. Ich werde durch ihn schlagartig in die ak­tu­el­le Jahreszeit zurückgeworfen und sage nur: serendipity. Ein schönes, englisches Wort, für das es kaum eine Übersetzung gibt. Ich wüsste jedenfalls keine, und vor lauter Verzweiflung, ähhh, Verzauberung für das, wofür das Wort steht, sagen die Franzosen jetzt auch sérendipité oder so, hier gibt's das auch auf Deutsch: Se­ren­di­pi­tät. Einfach nur eingedeutscht und |frisiert| französisiert fehlt mir bei den Worten etwas, was beim Original mitgeschwungen hat. Es klingt nicht gut.

Das Wort bezeichnet den Zufall, der eine Entdeckung auslöst. Während man das eine sucht, zeigt sich das Unerwartete. Wir halten kurz inne, eine Gedenk­mi­nu­te für Christoph Columbus.

Und während ich Webseitentexte freigebe, mit denen Weihnachtskram verkauft werden soll, mein Auftrag der letzten Woche, und ich schon völlig im neuen Stoff versinke und das Stroh unter den Füßen zu spüren glaube, wird mir schlag­ar­tig bewusst: Endlich stecke ich thematisch nicht mehr im Winter. Ouf! Hat ja auch gar nicht zum Hochsommer gepasst.

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Foto: wird nachgeliefert

Sonntag, 20. Juli 2014

Sommerbüro

Hallo, beabsichtigt oder zufällig sind Sie mitten im Arbeitstagebuch einer Kon­fe­renz­dol­met­scherin und Übersetzerin gelandet. Hier denke ich über unseren viel­fäl­ti­gen Beruf nach. Es ist Sonntag, Zeit also fürs Sonntagsbild.  

Das Bild zur Woche stammt dieses Mal nicht aus meinem Fotoapparat, sondern vom Bundesarchiv. Vielen Dank für diese Freigabe via Wikicommons!

Eine Frau, die eine Badekappe und einen Badeanzug trägt, sitzt auf einem Klappstuhl und tippt in eine alte Maschine, die vor ihr auf einem Klappstuhl steht. Dabei sitzt sie bis zum Bauch im Wasser eines großen Beckens oder Kanals.
Fotograf: unbekannt / 1926
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Foto: Bundesarchiv, Bild 102-08112 / CC-BY-SA
(bearbeitet durch C.E.)

Mittwoch, 16. Juli 2014

Landing page optimization (not)

Bonjour und willkommen auf dem ersten Blog Deutschlands aus dem Inneren der Dolmetscherkabine. Oder aber ich sitze im Büro oder auf dem angrenzenden Balkon, um über Sprache und meinen Berufsalltag nachzudenken.

Arbeitplatz der Adventsproduktetextschmiede
Nein, |liebe| unliebe Wer­be­treibende, Spam­mer, IT-Budenmitarbeiter oder sonstige Men­schen, ich tausche keine Banner (Wie jetzt, Banner? Die WM ist doch vorüber!), ich will auch nicht 24/24 optimieren und beim Thema Landing denke ich nur an die Bienen und daran, welche Blumen ich kaufen muss, damit die Bienen und Hum­meln auch was davon haben.

Was unsereiner an Mails so wahrnehmen muss, folgt gleich unten. Und wirklich wichtige Nachrichten, die Zusage eines Dolmetschkunden für Anfang September, erfahre ich dann eher zufällig, weil die Mail im Labyrinth des Weltweiten hän­gen­ge­blie­ben ist. Gnarz.
Achtung, Ihre Landing page muss dringend optimized werden! Bounce Rate Optimization ist sehr wichtig, damit die Absprünge nicht die Con­ver­sion killen. Wir empfehlen Eyecatcher in 3D und die In­te­gra­tion eines Response-Elements (z. B. Call-Back-Button), damit In­ter­acti­vi­ty die Seite attraktiv macht. Schaffen Sie Klarheit über Ihre Web Usa­bi­li­ty! Wir helfen, auf hohe Conventions zu optimieren. Wir sagen Ihnen auch, ob es möglicherweise ein Makeup oder Total relaunch sein muss. Sprechen Sie uns 24/24, 7/7 an.
Nee, und rund um die Uhr werde ich sowieso niemanden ansprechen, und schon gar keinen Dienstleister. Meine Gedanken kreisen auch nur von nine to five um die Übersetzung und Neubetextung von Adventsbedarf, das ist mein derzeitiger Auf­trag. Irgendwie ist mir abends nach so vielen Eiskristallen und Schneemännern immer nach Ab­küh­lung und ich riskiere den big splash in den See.

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Foto: C.E.

Dienstag, 15. Juli 2014

Alte Schreibmaschine

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Meine Vorfahren waren Garnhändler. Sie reisten von ihrem Firmenstandort in West­sachsen aus viel durch Europa, sprachen mehrere Sprachen und be­sa­ßen wun­der­ba­re Arbeitsgeräte: Alte Füller, Löschwiegen, Papiersammler und andere Objekte, die heute Liebhabern alter Kontore die Herzen höherschlagen lassen.

Im alten Haus dieser Ahnen fanden sich zwei Schreibmaschinen an: Die Remington mit deutscher Tastatur als kleine, praktische Reiseschreibmaschine, sie ist jün­ger als das zweite Gerät und wird von der Tante noch regelmäßig benutzt, sowie die große, schwere Standmaschine, eine Continental, die im nahegelegenen Schönau bei Chemnitz hergestellt wurde.

Groß, schwer, elegant: Büroschreibmaschine
Irgendwann kam sie zu mir. Sie steht aus Dekorationsgründen im Büro auf einem Aktenschrank. Jetzt erhielt ich eine Übersetzungsanfrage, die eine recht aparte Bedingung be­in­hal­tet: Ich müsse die abzuliefernden Texte auf der Maschine schreiben. Arbeiten in Zeiten von Wirtschafts- und Po­li­tik­spi­o­na­ge ...

Eine liebe Kollegin fand für mich ein Ge­schäft, das zweieinhalb Kilometer von meiner Wohnung entfernt im Nach­bar­be­zirk liegt. Dort werden mich meine Wege also demnächst hinführen, damit das Gerät, das leicht klemmt, überholt wird. Ich freue mich auf das Arbeiten mit dem Museumsstück.

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Foto: Archiv