Samstag, 20. Dezember 2014

Bonjour

... und will­kom­men! Hier erzähle ich (ohne Er­wäh­nung von Be­­triebs­­ge­­heim­­nis­sen) Episoden mei­nes All­­tags — und Sie kön­nen etwas über Sprachberufe erfahren. 

C. Elias, +49 (0) 172 499 8902
caroline[at]adazylla.de
Ich biete an:
— bilaterales DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Medien, Wirtschaft und Handel, Luxusgüter, Bildung und Soziales, EU-Se­mi­na­re, Kino-, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, deutsch-französische Be­zie­hun­gen und Lan­des­kun­de, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur und Ur­ba­nis­mus, Li­te­ra­tur, Ge­schich­te Berlins und der DDR, Afrika (Wirt­schaft und Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche, z.B. Dreh­buch, Förderantrag, Katalog, Korrespondenz
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
— für Politiker (*), Wissenschaftler, Fir­men- und Pri­vat­kun­den, Filmmitarbeiter usw.
ZUSAMMENSTELLUNG von Teams

Ich berate persönlich per Telefon oder Mail, denn jede Anfrage ist anders, jedes Thema besonders, kurz: Ihre Gäste und Kunden haben den besten Service verdient und kein Angebot von der Stange, das in Asien genäht (bzw. vom Sprachmakler, das an den/die Billigsten vertickt) wird.

Außerdem bin ich versiert in den Bereichen:

— Synchronbücher für Dokumentarfilm, Untertitel, Übertitel (Theater)
— Audio­des­krip­tion für Sehbehinderte bzw. Untertitel für Hör­­geschädigt­e, Er­stel­lung und Lek­to­rat, in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin
 — Texten, Rewriting und Recherche (Themen auf Anfrage). Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an vier Büchern beteiligt.


Hier, zu welchen Inhalten ich 2014 aktiv war plus einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Interprète indépenante, pas d'agence  ! Berlin, Französisch, Deutsch, Simultandolmetschen, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, Beratung, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris. 
(*) und selbstverständlich jeweils auch die -innen!
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Foto: Friederike Elias

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Mechanik

Herz­lich Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer Sprach­ar­beiterin. Hier den­ke ich über den All­tag der Welt der Kon­fe­renz­dol­metscher und Über­setzer nach. Hier erfahren Sie, was Muskeln mit deutscher TV-Unterhaltung, Ketten und Fähr­män­nern zu tun hat. Zwischen den Weihnachten und Sylvester ist meine Über­set­zer­werk­statt übrigens geöffnet.

In zehn Jahren haben die Maschinen alle Übersetzer und Dolmetscher abgeschafft! Wetten, dass... ?

Kamm (Reet) zum Anschlagen per Griff
Ach nee, "Wetten, dass" gibt's ja nicht mehr. Gut, zweiter Versuch: Wenn das all­ge­mei­ne Bildungsniveau und die Ein­kom­men rapide sinken, damit auch das Warenangebot, alles wird einfach, stammeln am En­de die Menschen nur noch Sätze, die eine Maschine in zehn Jahren problemlos über­trägt. Macht auch kein' Spaß, so eine Dystopie, in diesen schö­nen, festlichen Tagen!

Noch ein Anlauf: Sprache ist so vielfältig und hängt immer vom Hintergrundwissen, von Moden in gesellschaftlichen Kreisen, Literatur und Medien- oder Werbezitaten ab, dass sich oft die Geschlechter untereinander oder die Mitglieder ein- und der­sel­ben Familie kaum noch zweifelsfrei verständigen können.

Garnspulen
Wissen Sie, wovon ich spreche? Ergänzen Sie: Geiz ist ... Ihre Großeltern und ihre Urenkel werden den Satz nicht in der glei­chen Weise beenden, wie Sie das gerade gemacht haben. Und 95 % der Urenkel jener, die diese Zeilen lesen, werden von der abgesetzten ZDF-Sendung auch nichts mehr wissen.

Was hat das mit Dolmetschen und Über­setzen zu tun? Weil das alles jeweils in Texten mitschwingt und irgendwie trans­feriert werden muss. Also in allen Texten jedenfalls, die mehr aussagen als
Ankomme Montag 18 Uhr Hauptbahnhof.

Wenn Sie älter als 25 sind, können Sie das gerade noch zuordnen. Der "Te­le­gramm­stil" als Begriff sagt aber schon Kids des Jahres 2014 nichts mehr.

Heutige Maschinen sind bereits von zeitgenössischen Texten überfordert. Hier ein zufällig ausgewähltes Bespiel:
Proust Geschichte über ein junges Mädchen, das nach einem Sturz in der Lie­be, wacht zehn Jahre später, wenn Mutter und Kind und ist in den Pro­zess der Scheidung. Sie können XXXX durch Kabelfernsehen oder in den Deutsch / Schweizer (Switzerland) Kinos mit ursprünglichem Audio online gucken, in Französisch, in mit Untertiteln versehenem und in betitelt in Deutschen zu den verschiedenen Zeiten.
Es handelt ich um einen Spielfilm aus dem 21. Jahrhundert, der mit Marcel P. gar nichts zu tun hat. Und wen ich mit Marcel meine, verstehen Sie nur, wenn Sie sich ein wenig in Literatur auskennen. Ansonsten steht's ja auch oben. Un marcel ist auf Französisch, wie es in Familien gesprochen wird, übrigens eine spezielle Un­ter­hemd-Form. Die Amis nennen es muscle shirt, also ärmelfrei, damit die Mus­keln schön zu sehen sind. Die Kreise, in denen das erfunden wurde, waren garantiert nicht auf der Su­che nach verlorenen Zeiten.

Kette und Schuss
Texte sind Gewebe. Kul­tur­pro­duk­te, künstlerische Ela­bo­ra­te usw. gehören den Re­zi­pien­ten, die sie sich an­eig­nen, soviel zur Theorie.

Praktisch bedeutet das, dass jene, die den Fährmann ma­chen (oder die Fährfrau), die also über-setzen, viel kul­tu­rel­les Gepäck mit sich her­um­schlep­pen dürfen (und es wird immer mehr).

Und die Entwicklung einer perfekten Dolmetschmaschine würde vermutlich 5.000 Mannjahre kosten, inklusive Programmierung der unterschiedlichen Fachsprachen, Soziolekte und Berufsjargons. Und in der Testphase, bei der sich herausstellt, dass der Output nur mit großer Verzögerung bei den Hörern ankommt, wären die Pro­zes­so­ren nach zwei Stunden verschmort.

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Fotos: C.E.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Übersicht 2014

Welcome, bienvenue, hier bloggt eine Dolmetscherin und Übersetzerin über ihren Berufsalltag. Meine Sprachen sind Französisch (als Ausgangs- und Zielsprache) und Englisch (Ausgangssprache).

Planung ist das A und O, Sauerstoff auch
Hier können Sie heute wieder einmal einen Blick auf den Schreibtisch erhaschen.

Unten habe ich die Dos­siers auf­ge­führt, die mich in den letzten Monaten be­schäf­ti­gt haben. Ich sortiere gerade die letzten Vokabellisten, Hin­ter­grund­texte und Kon­gress­ma­te­ria­lien ein und freue mich an der gro­ßen Viel­falt der Projekte.

— Allgemeine Politik, Wirtschafts- und Finanzkrise, Steuergerechtigkeit
— EU-Wahlkampf und -Politik
— Logistik/Transportwesen: Gütertransport via Bahn und Schiff, Multimodalität
— Internetwirtschaft, Urheberrecht
— Französisches Kino und Filmwirtschaft: das Problem der mittelgroßen Filme
— Gesundheits- und Krankenhausmanagement
— Architektur/Urbanismus: sozialer Wohnungsbau, Altbausanierung, Bauökologie
— Architektur/Energie: Wärmedämmung, Energiewende, neue Energiequellen 
— Berufsausbildung und Integration von Schulabbrechern in die Arbeitswelt
— Nachhaltiges Design, u.a. im Rahmen von Produkttests
— Kundenberatung: Verkäuferschulung
— Personalauswahl
— Papiergroßhandel (Internetshop)
— Firmengründung in Deutschland aus französischer Perspektive
— Pressemeldungen zu TV-Ausstrahlungen, Filmstarts sowie Pressehefte
— Aktuelle Situation Afrikas: Kongo, Tunesien, Westafrika
— Vernachlässigte Tropenkrankheiten, insbesondere Ebola
— Asylpolitik und Zuwanderung
— Deutsche Geschichte, in Sonderheit 25 Jahre Mauerfall

Diese Themen beschäftig(t)en mich im Hinblick auf Konferenzen und Seminare, Dreharbeiten, Drehbuchübersetzungen, interne Beratungen der Politik, diverse Bildungsangebote sowie im Rahmen unternehmerischer Tätigkeit Dritter.

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Foto: C.E. (Archiv)

Fernglas

Will­kom­men auf der Sei­te ei­ner Fran­zö­sisch­dol­met­scher­in und -über­setzerin aus Berlin. Hier kön­nen Sie in unseren Alltag Einblicke nehmen.

Warum gehört das Fernglas ins Reisegepäck eines Dolmetschers? Vor et­was mehr als sechs Jahren habe ich darüber geschrieben. Heute blicken wir mal wieder zu­rück.

Gelegentlich haben wir Mühe, manchen Rednerbeiträgen zu folgen, nicht nur, wenn in ho­hem Tempo vorgetragen wird. Die Entfernung der Kabine zum Podium lässt sich indes mit Hilfsmitteln über­win­den. Dann darf nur nicht der Bild­schirm des Laptops die Sicht behindern ...

Hier geht's weiter.

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Foto: C.E. (Archiv)

Dienstag, 16. Dezember 2014

Olong

Bienvenue und herzlich willkommen beim ersten Weblog Deutschlands aus dem Inneren der Dolmetscherkabine! Hier schreibt eine Übersetzerin und Dol­met­scher­in, deren zweite Hauptarbeitssprache Französisch ist.

Anrufbeantworter kommen heute fast nur noch in Filmen vor. Wir erfahren über die Ton­spur et­was über die privaten Verhältnisse einer Hauptfigur, während die Kamera wie eine Droh­ne in langsamen Bewegungen das Interieur überfliegt. Oder es findet sich der zentrale Hinweis auf den Mörder in dieser zur Abhörzentrale um­funk­ti­o­nier­ten Holzwerkstatt, in der die Glut des Kaminfeuers noch von einem in­zwi­schen abwesenden Gast kündet und wo ein alter, verdreckter, riesengroßer An­ruf­be­ant­wor­ter den Kontrast zwischen High-Tech-Ambiente und Holzwerkzeugen ironisch zu kommentieren scheint.

Der dritte Gedanke war richtig
Neuerdings gibt es Anrufer im Computer. Auch sie helfen uns, Din­ge zu erfahren, aber die Sache ist doch ver­track­ter. Ein Beispiel.
Gerade hatte ich eine kurze Mail im elek­tro­ni­schen Post­fach, in der im Grun­de nur Name und Ar­beit­ge­ber des Absenders zu lesen wa­ren, ein Sender, sowie eine Stan­dard­zei­le über einen ver­geb­lich erfolgten An­ruf­ver­such.

Dann gab es noch eine gesprochene Wortnachricht in der Mail: Eine Tonspur, die ich anklicken durfte, informierte mich über den Anlass der Mail.

Und hier erfuhr ich also, dass es Aufzeichnungen einer Rede oder ein Interview mit "Olong" geben würde, ich möchte bitteschön in den Sender kommmen, abhören und übersetzen. Ich bin ein wenig irritiert. Seit wann kann Olong-Tee sprechen? Oder vielleicht ist das das Thema ... aber ich spreche doch gar kein Chinesisch!

Ich höre weiter. Einige Sätze später sagt der Sprecher dann "Olann". Ich kenne ei­nen Berg, der so heißt, l'Olan, er liegt in den Hochalpen, kann aber auch nicht ge­meint sein.

Welcher Sender ruft nochmal an? Ich höre auf Untertöne in der deutschen Aus­spra­che. Der Sprecher ist in den 50-ern und klingt noch ganz fein und nur für Ken­ner­oh­ren erkennbar nach Ost-Berlin. Ach, Hollande ist gemeint!

Soviel zum Thema Kontext. Hätte ich die Mailkennung aufmerksamer gelesen, wä­re mir aufgefallen, dass es um eine Politikredaktion geht. Hätte ein Hinweis auf die Eröffnung eines Pariser Museums im Text gestanden, ich hätte mir infolge der Zei­tungs­lek­tü­re meinen Teil schon zusammengereimt. Die Webseite des Elysée-Palasts lie­fert zur Vorbereitung die Rede in Text- und Filmform: Die Franzosen ha­ben seit sieben Jahren ein Nationalmuseum zur Geschichte der Einwanderung, das allerdings erst jetzt offiziell eröffnet wurde.

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Foto: C.E.

Montag, 15. Dezember 2014

Jahresendjobs

Willkommen, bienvenue & hello beim ersten deutschen Weblog aus dem Inneren der Dolmetscherkabine. Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Überall bricht langsam eine bräsige Ruhe aus, die Wochen andauern wird. Überall? In einem kleinen Büro in Berlin ist das nicht so.

Die Textweberei ist noch in vollem Gange. Und vermutlich werde ich zwischen den Jahren, wenn mein Blog in die Winterpause geht, weiter übersetzen.

Eine spannende Anfrage hatte mich für die letzten Tage ereilt, Wochenendzuschlag inklusive: Ich durfte eine längere Reportage aus einer Zwischensprache in gutes Deutsch bringen. Das Originalbuch war auf Englisch geschrieben worden, die Erst­über­setzerin ist eine Deutsche, die schon lange in den USA lebt. Entsprechend bi­zarr hat an manchen Stellen die erste Fassung angemutet. Perfektes Denglish war das. Es ging nicht selten mit Verarmung der Sprache einher, denn nicht alles, was an Ideen hinter einem bestimmten Begriff stand, kam in der Zielsprache auch nur halbwegs an.

Beispiel für das Sprachdilemma: die Vokabel "der Job". Hierzulande wird der Be­griff immer häufiger dann verwendet, wenn jemandem das Wort "Beruf" zu alt­backen vorkommt. Aber sind die Wörter wirklich Synonyme? Schnitt: Wir sitzen auf dem Spielplatz im Herzen New Yorks, eine Freundin und ich, Spielplätze gibt's hier nicht so viele, entsprechend groß ist das Gedränge. Der Filius "meiner" New Yor­ke­rin hat sich gerade mit einem Kind um Sandkastenfläche und Schippe ge­strit­ten.

Am Ende weinen beide. Der eine Mini, unsere Seite, lässt sich gerade noch fer­tig­trösten, die Gegenseite ist schon wieder im Sand. Schaut rüber. Hier gibt es Kekse. Meine Freundin schickt ihren kleinen Rabauken los, einen Versöhnungskeks an­zu­bie­ten. Was dieser tut. Gebäck wird angenommen, friedliches Weiterspiel deutet sich an. Good job ruft meine Amerikanerin ihrem Sohn zu, "gut gemacht".

Abbildung métier à tisser — Webstuhl
Aus dem Sachs-Villatte
Job steht hier also indirekt für "Auf­trag". Und einen solchen hat­te ich am Wochenende auf dem Tisch: Hereingeflattert kamen ein grauenvoller Re­por­ta­ge­text und eine Film­fas­sung, die lieb­los run­ter­ge­kur­belt gewirkt hat wie ir­gend­was zwischen Tou­ris­mus­bü­ro und Prak­ti­kan­ten­pro­dukt. Dafür war das ent­le­gen­e Reiseziel wirk­lich richtig spannend.

Rückblende: Vor etwas mehr als zwölf Monaten, das Jahr 2013 neigte sich deulich dem Ende zu, wird irgendwo bei einem ausländischen Sender noch Geld vorhanden gewesen sein. Kinners, das müssen wir noch schnell ausgeben, sonst ist es futsch!, oder etwas in der Preislage wird daraufhin gesagt worden sein. (Kameralistik gibt's nicht nur hierzulande.) Ende 2014 fiel ein solcher Satz dann in einer deut­schen Re­dak­tion, denn Kameralistik bedeutet ja auch immer: Was bis zum Jahresende nicht ausgegeben worden ist, verfällt. Die Vergabe an die Übersetzer, die Regisseure und die Sprecher ging jedenfalls zu guten Sätzen und ohne große Verhandlungen im Rekordtempo vonstatten.

Totale, Halbnahe, Detailaufnahme, Blende, Totale, Schwenk, Halbnahe, Schnitt, der Film folgt einem eintönigen Strickmuster, der Text scheint im Nachhinein und eher zufällig hinzugekommen zu sein. Wackelt irgendwo ein Übergang, wird ge­blen­det, fehlt jeglicher Zusammenhang, folgt eine Schwarzblende.

Wir nehmen das Material und ribbeln auf: Ich den Inhalt, der Regisseur die Form, dann wird neu gewoben: Der Synchronregisseur wird beim Neuweben die Wörter großzügiger auf die stummen Passagen verteilen und die eine oder andere Syn­chro­ni­zi­tät zwischen Bild und Text einbauen, die wir ja in Deutschland so sehr lieben.

Hier bedeutet übersetzen also, schnell den Inhalt wiederzugeben, Fakten zu über­prü­fen, Fundstellen zu verlinken und Vorschläge zu machen, was an welcher Stelle noch reinkönnte.

Zum Glück ist die Arbeit mit diesem Filmstoff nur ein "Job", schnelle Ausübung des Handwerks. Als Beruf möchte ich sowas nicht immer machen müssen. Mein Buch­sta­ben­han­del ist sonst anspruchsvoller. Trotzdem nehme ich gerne solche Jah­res­end­jobs an. Mal sehen, was die Woche noch bringen wird.

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Foto: C.E.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Gruß vom Weihnachtsmarkt

Hallo und will­kom­men auf dem 1. Weblog Deutsch­lands aus dem Inneren der Dol­met­scher­ka­bine. Hier berichte ich über meinen sprachbetonten Alltag. Sonntags werde ich privat.

Was sehe ich beim Wochenendbummel? Erst halte ich es für bewusst falsch ge­schrie­ben, um Kundschaft anzulocken. (Ich gebe zu, auf eine solche Idee kann nur ein Spracharbeiter /eine Spracharbeiterin kommen.)  Die einzelne 'Wallnuss' beschrieb ich hier bereits im Singular.

WALLNÜßE, liest sich fast wie WALLNÜBE
NÜBE IN WALLUNG

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Foto: C.E.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Im Maschinenraum

Bonjour, bienvenue, welcome ...! Was mich als Dolmetscherin und Übersetzerin so umtreibt, können Sie hier regelmäßig verfolgen.

Eine Bekannte von mir hat neulich ihren Aktenschrank ausgemistet. Ganz zuunterst entdeckte sie einen Ordner, auf dem stand in Großbuchstaben das Wort "IN­TER­NET". Und ein Freund hatte unlängst auf die Frage, wann wir denn losgehen woll­ten, den Scherz parat: "Gleich, ich muss nur noch rasch das Internet fertiglesen."

Eindeutige Objektnamen sind immer wichtig
Kleine Stories über das anfängliche Frem­deln mit dem inzwischen nicht mehr neu­en Medium sind das. Wer in die Arbeit als Dolmetscher und Übersetzer parallel zum entstehenden Netz hineingewachsen ist, erinnert sich noch an Zeiten mit sich nur langsam auf­bau­en­den Internetseiten (oder an die ersten elektronischen Schreib­ge­rä­te mit Speichermedien, von Computer möchte ich da nicht sprechen, mein erstes Teil hatte ich mit 16).

Meine Kenntnisse und die meiner engsten Kol­le­gin­nen scheinen sich analog zum Entstehen der digitalen Welt entwickelt zu haben. Ich kann blog­gen, Webseiten bauen, Fotoshop und Ton­schnitt­­pro­gram­me bedienen.

Ein alter Freund bastelt sich und uns gerade einen Online-Verlag; wir alle können Router einrichten, kleinere Fehler erkennen und beheben, und unser Bewusstsein über die Risiken im Bereich Datensicherheit oder Manipulation der Inhalte ist groß.

Ich lebe täglich mit dem Medium, weil es mir als Dolmetscherin und Übersetzerin jeden Tag aufs Neue hilft. Ich füttere es auch fast täglich, damit es später anderen weiterhelfen kann. Demnächst brauche ich für die Restaurierung eines Möbels ein Dingsbums, den Namen des Bauteils kenne ich in allen drei Sprachen nicht, aber ich weiß, wie ich mit Kontext- und Bildersuche nachher exakt das richtige be­stel­len werde.

Meine Recherchefähigkeiten sind berüchtigt. Oft darf ich für nicht so netz­ver­sier­te Freunde Informationen suchen, einfach, weil ich die Suchalgorithmen und die Va­ri­a­ti­o­nen so verinnerlicht habe, dass sie mir gar nicht mehr auffallen. Sie be­rich­ten etwas am Telefon, ich tippe drei, vier Worte, klicke einige Male und kann das Ge­such­te fertigerzählen und dann den ent­spre­chen­den Link mailen.

Lange Vorrede, sicher. Aber Gelegenheiten wie diese sind selten. Mich erfüllt tiefe Dankbarkeit.

Zum Kämmen von Baumwolle
Und mich erfüllt das kalte Grau­sen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es Kolleginnen und Kollegen geben soll, die nicht so arbeiten. Denen die grundlegenden Begriffe und Gedanken des Internets fremd sind, obwohl sie täglich in der Dol­met­scher­ka­bi­ne mit In­for­ma­ti­o­nen, Begriffen und kom­ple­xen, auch wi­der­sprüch­li­chen Bezügen dieser Sphäre zu tun haben.

Hier noch einige Übersetzungsvorschläge, die neulich gesucht wurden, wobei sich Suche und Antworten in den Kommentarzeilen abgespielt haben, also für viele Leser gar nicht sichtbar waren. Leider fehlt in den Mitschriften der Kollegen eines Be­kannten, der sich mit dem Protokoll abmüht, manchmal der Kontext. Ich muss also rätselraten.

Figer le contenu du web könnte "Screenshot der Seite" bedeuten oder "Sichern des Contents" ("sichern" von "Sicherungskopie anfertigen"), denn das französische con­te­nu kommt vom englischen content, auf Deutsch verwenden wir den eng­li­schen Begriff auch. Das dann mit "Inhalte" zu übersetzen, ist innerhalb dieses se­man­ti­schen Feldes nur halb richtig (als Synonym allerdings OK). Im Zusammenhang mit Ar­chi­ven kann es schlicht auch bedeuten: "Webcontent archivieren".

Für travail éditorial würde ich etwas mit "redaktionell bearbeiten", "redaktionell einbinden" (von Links) nehmen. Ich habe bei einem der Notizenschreiber nach­ge­fragt, es ging wohl um das Zugänglichmachen von verstreuten Webseiten, die in einem Portal zusammengefasst, von dort verlinkt und "mit redaktionellen Bei­trä­gen erschlossen" werden sollen.

Bleibt noch le flux des conversations. Hier könnte je nach Sinnzusammenhang möglicherweise das "Chatprotokoll" gemeint sein.


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Fotos: C.E. (Textilmuseum Crimmitschau)

Mittwoch, 10. Dezember 2014

In Arbeit (3)

Hallo! Geplant oder zufällig, Sie sind hier auf den Seiten meines digitalen Arbeitstagebuchs gelandet. Hier denke ich über Spracharbeit nach. Als Dolmetscherin arbeite ich in Berlin, Paris, München, Hamburg, Cannes, Avignon und überall dort, wo man mich braucht.

Derzeit als Lern- bzw. Vorbereitungsthemen auf dem Schreibtisch: 
Einer meiner drei Schreibtische
Die europapolitische Agen­da des kommenden Jahres
— Ökologische Dämmstoffe
Demokratischen Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern aus der Migration
Tunesien heute, welche Zu­kunfts­perspektiven, welche Gefahren?
— Gefahren der Energiewende
— Arbeitswelt im Wandel, Ent­wick­lung der europäischen Mittelschicht

Außerdem schreibe ich gerade zwei Kostenvoranschläge für Januar und März sowie für eine ungeklärte Übersetzung von gedrehtem Material für Arte, die parallel zu den Feiertagen ins Haus steht.

Vokabelnotiz
Nachdem ich unlängst einen Bekannten ins Krankenhaus begleiten durfte, fiel mit eine nicht gerade naheliegende Wortgleichheit auf: Das Wort contracturer be­deu­tet im medizinischen Zusammenhang "eine Kontraktur herbeiführen"; ein Mu­se­ums­be­such mit hohem Sprachanteil am sel­ben Tag brachte die Erkenntnis, dass con­trac­tur­er qc., zum Beispiel an Säulen beobachtet, "sich verjüngen" heißt (nach oben hin schmaler werden).

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Foto: C.E.